3-G am Arbeitsplatz – nicht schon wieder lavieren! Regierung und Sozialpartner spielen einander den Ball zu. So nicht!

In Italien gilt ab Mitte Oktober 3-G für alle Arbeitsplätze, gleichgültig, ob privat oder öffentlich. Das heißt, Mitarbeiter müssen geimpft, genesen und geimpft oder regelmäßig PCR getestet sein. Viele Experten halten das für gut. Es sollte in der Tat auch kein Problem sein, dieses italienische Modell in Österreich umzusetzen.

Ex-Gesundheitsminister Rudi Anschober spricht sich vehement dafür aus. Wir wissen aus den Statistiken, dass die großen, geheimen Spreader die Familien und die kleinen Betriebe sind. Vielfach herrschen dort kaum Schutzmaßnahmen, es gibt wenig Prävention, auf regelmäßige Tests wird verzichtet. Das war auch der Grund, warum man beispielsweise in den Schulen die verpflichtenden Tests eingeführt hat.

Ähnlich wäre es bei 3-G am Arbeitsplatz. Man könnte sehr rasch diejenigen herausfiltern, die infiziert oder symptomlos erkrankt sind. Und es würde wahrscheinlich auch die Stimmung für das Impfen verbessern. Wenn ein Mitarbeiter sich wöchentlich testen muss, wird er irgendwann vielleicht einmal sagen, ich lasse mich impfen.

Impfstoff und Impfmöglichkeiten gibt es in Hülle und Fülle. Warum nun die Regierung den Ball an die Sozialpartner spielen möchte, diese wiederum den Ball retournieren, ist nicht nachvollziehbar. Es müsste im Interesse sowohl des Gesundheitsministers als auch der Sozialpartner, Krisenvorsorge zu betreiben.

Corona Leugner sprechen nicht mehr so sehr von Corona-Leugnung, sondern betonen die Freiheit des Individuums. Und gegen die lässt sich schwerer argumentieren als gegen Fake News. Die Gemengelage wird immer komplexer, das Lager der Impfskeptiker immer mutiger. Dem muss mutiges Handeln entgegengesetzt werden. Zum Beispiel durch die 3-G-Verordnung am Arbeitsplatz, durch eine 2-G-Verordnung in der Gastronomie, durch schärfere Maßnahmen bei öffentlichen Veranstaltungen, noch dazu, wenn sie in geschlossenen Räumen stattfinden.

Der Sommer ist endgültig vorbei, die Menschen gehen wieder in die Häuser und in die geschlossenen Räume. Das erhöht die Ansteckungsgefahr. Wir wissen heute, Geimpfte können sich sehr wohl anstecken und auch übertragen. Allerdings ist die Gefahr eine deutlich geringere und die Gefahr ernsthaft zu erkranken ist minimal. Das muss kommuniziert werden.

Also bitte: Einigung in Sachen 3-G am Arbeitsplatz. Und zwar möglichst rasch. Und mit möglichst klaren Vorschriften.

PS: Die Maskenpflicht muss natürlich bleiben. FFP2 überall.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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