Ärzte statt Apotheker. Impfstoff kaufen. Das sind die Prioritäten.

Zum wiederholten Male bieten die Apotheken an, gegen Covid-19 zu impfen. Das ist aus mehreren Gründen kontraproduktiv. Erstens ist Impfen eine medizinische Tätigkeit und sollte denen vorbehalten sein, die ausgebildete Mediziner sind.

Zweitens wäre es an der Zeit, jene impfbereiten Mediziner in ganz Österreich, die sich angeboten haben, mit genügend Impfstoff zu versorgen. Daran hakt es, dass wir nicht flächendeckend jene Zielgruppen impfen, die unbedingt geschützt werden sollten – Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene. Niedergelassene Ärzte könnten diese Aufgabe in relativ kurzer Zeit stemmen.

Nach wie vor gibt es österreichweit zu wenig Impfstoff, auch wenn plötzlich – scheinbar aus heiterem Himmel – offensichtlich große Mengen an AstraZeneca Impfstoff auftauchen. Österreich ist weit von dem entfernt, das sagt auch die Statistik des Gesundheitsministeriums, was wir effektiven Schutz der Bevölkerung nennen könnten. Wir haben zu wenig Zweitimpfungen, die erst gegen die Delta-Variante wirksam sind. Nicht zu reden von dem großen Teil der unter 30 jährigen, der noch gar nicht geimpft ist.

Apotheken sollen ihre Testkapazitäten ausweiten, das ist ebenso wichtig. Denn testen darf auch in den kommenden Monaten nicht vernachlässigt werden. Auch bereits Geimpfte sollen sich testen. Wir wissen nicht, ob auch immunisierte Menschen nicht in der Lage sind, das Virus an andere zu übertragen. Deshalb heißt es: Doppelt vorsichtig sein.

Wir erleben derzeit in Europa zwei unterschiedliche Tendenzen: In einigen Ländern wird wieder verschärft, werden Quarantänemaßnahmen vollzogen, in anderen wird so getan, als ob das Virus verschwunden wäre. Fußballstadien, wie jetzt bei der EM, könnten sich zu Spreading-Center entwickeln, ebenso wie Ferienlager und andere Events. Am kommenden Wochenende werden tausende holländische Schlachtenbummler zum Österreich Grand Prix fahren – in ihren Campingbussen. Seit heute rollt die erste Urlauberwelle.

Öffnungen sind notwendig, schon aus psychologischen Gründen. Sie sollten aber nicht dazu verführen, alle gelernten Disziplinarmaßnahmen zu vergessen: Abstand halten, Masken in Innenräumen tragen, Hygienemaßnahmen forcieren.

Das wichtigste aber scheint: Den niedergelassenen Bereich mit Impfstoffen ausstatten, sodass wirklich flächendeckend und wohnortnahe geimpft werden kann.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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