Auch Gesundheit ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und bitte: Kein Altenbashing wie in Deutschland.

Manche Ökonomen scheinen zu vergessen, dass die Gesundheitswirtschaft seit Jahren deutlich und zuverlässig wächst und wesentlichen Anteil an der Binnenwertschöpfung hat. Schon vor der Krise wurden jährlich mehr als 30 Milliarden Euro für Gesundheit investiert. In Zukunft werden es deutlich mehr werden. Zudem sind Gesundheitsberufe gefragt, dringlich gefragt: Gerade jetzt brauchen wir eine Ausbildungsoffensive.

Wenn von Ökonomen gesagt wird, es wäre dinglich notwendig die Wirtschaft anzukurbeln, dürfen wir nicht vergessen, dass erstens auch der Gesundheitsmarkt ein wesentlicher ökonomischer Faktor ist und dass zweitens eine gesunde Ökonomie nur mit gesunden Menschen funktionieren kann und in einem gesunden, nicht infektionsanfälligem Umfeld.

Deshalb warnen wir Ärzte nicht vor einer Lockerung per se sondern vor allzu vielen Lockerungen gleichzeitig, welche die Disziplin der Menschen überfordern und zugleich zu Missverständnissen führen. Was darf man jetzt und was darf man nicht?

Das Ganze wird nicht einfacher, wenn in 10 Tagen die Gastronomie aufsperren wird, wo es doppelt schwierig sein wird, die Abstände einzuhalten und den Hygienevorschriften zu entsprechen. Ich habe für jeden Verständnis, der wieder einmal einen Kaffee trinken, Abendessen oder ein Glas Wein genießen möchte – aber in Maßen. Man muss nicht gleich Familienfeiern abhalten. Vielleicht obsiegt auch hier die Pragmatik: Wenn man Umfragen glaubt, werden etwa 40% der Lokale nicht aufmachen, weil es sich schlichtweg nicht rechnet. So viel zur Ökonomie.

Es nützt wenig einzelnen Lobbygruppen mit starker medialer Präsenz nachzugeben, und andere hintanzustellen. Ob es sinnvoll ist, mit aller Gewalt gleich zwei Formel 1 Geister- Grandprix durchzusetzen, ist mehr als fraglich. Und bringt auch der regionalen Wirtschaft nichts, die bisher von mehr als 200.000 Besuchern profitiert hat. Sie hat gar nichts davon. Profiteure sind die reichen Formel 1 Teams sowie die privaten TV-Giganten. Wer für die Verluste aufkommt und letztendlich für die Sicherheit von mehr als 1000 Menschen verantwortlich ist, die im Tross der Formel 1 arbeiten, ist ebenso nicht geklärt.

Wir sind immer noch mitten in der Krise und müssen damit gut aufpassen, dass es zu keiner zweiten Masseninfektion kommt. Und wir sollten unsere Ausgänge weiterhin knapphalten.

Noch etwas: In Deutschland haben sich Stimmen verbreitet, die meinten, Corona träfe ohnehin zum Großteil nur Alte, die auch ohne Corona bald gestorben wären. Das ist nicht nur hässlich, sondern gefährlich. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Dass Politiker derartige Überlegungen öffentlich machen, betrübt. So gesehen wird Deutschland hoffentlich kein Vorbild für Österreich werden.

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