Auf, zu, auf, zu, lockern, verschärfen….bringt das was?

In der Bekämpfung des Coronavirus zeichnet sich europaweit ein Phänomen ab: Man beschließt den Lockdown, die Inzidenzen sinken, man lockert daraufhin wieder und die Inzidenzen und Neuinfektionen steigen wieder. So geht das mehrere Male hin und her. Ist das sinnvoll, fragt man sich aktuell. Viele leiden darunter, viele Lobbys machen Druck – öffnen, sonst geht die Wirtschaft zugrunde und die Menschen fühlen sich eingesperrt und gegängelt.

Was wir derzeit erleben, ist scheinbar widersprüchlich. Die Impfstoffe sind da, es gibt aber noch zu wenig Impfstoff, um rasch große Teile der Bevölkerung impfen zu können. Man hätte unseren Mahnungen Gehör schenken  und im Sommer großzügig einkaufen sollen.

Andererseits scheinen sich neue Varianten  des Virus rasch zu verbreiten, die hochansteckend sind.

Und man weiß nicht, ob bereits Geimpfte oder Genesene durch neue Virus Mutationen nicht infiziert werden können.

Das Gesundheitssystem scheint noch Spielräume und Reserven zu haben, bei einem möglichen schnellen, exponentiellem Anstieg von Erkrankungen ist dieser Spielraum rasch weg.

Was also tun?

Das wichtigste scheint: Klare Aussagen treffen, keine falschen Hoffnungen schnüren und Vertrauen in die Politik und handelnden Personen wiederherstellen.

Wir sind an einem Punkt angelangt, wo Teile der Bevölkerung den Ankündigungen nicht mehr glauben und die Maßnahmen nicht mehr verstehen – vor allem die Ausnahmen nicht: Österreich ist da kein Einzelfall. Das Unbehagen ist in den meisten  Ländern der EU groß.

Die Politik sollte so ehrlich sein und zugeben: Wir haben die Pandemie nicht im Griff, wir können das Virus nicht ausrotten, wir müssen damit leben. Und weitergesagt: Wir kaufen Impfstoff so viel wir bekommen, gleichgültig von welchem Anbieter – wenn er sicher und wirkungsvoll ist. Wir impfen und testen auf Teufel komm raus und wir reduzieren die Kontakte und Bewegungsflüsse solange bis alle über 16 durchgeimpft sind.

Die Menschen würden das wahrscheinlich verstehen.

Das auf und zu, das hin und her verstehen sie nicht.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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3 Kommentare

  1. Veröffentlich von Reingard Lubec am Februar 8, 2021 um 7:42 am

    Ich dachte, die Impfung schuetzt nicht vor Ansteckung, sondern nur der Verlauf der Erkrankung ist ein milderer.

  2. Veröffentlich von Dr. Anita Karlas-Pichler am Februar 8, 2021 um 2:39 pm

    Sehr guter Artikel. Spricht mir aus der Seele.

  3. Veröffentlich von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Lüder Deecke am Februar 11, 2021 um 2:34 pm

    Die BioNTech / Pfizer Impfung geht auch auf die englische und sogar Südafrika-Mutation. Knappheit an Impfstoff herrscht in Europa, nicht in den USA! ‚Amerika First‘ von Trump wirkt hier noch nach !!! Hatte er nicht Pfizer mit viel Geld erpresst, zunächst USA mit Impfstoff zu versorgen??? Kanzler Sebastian Kurz hat jetzt gesagt, Österreich solle auch den Russischen Impfstoff anschaffen. Das finde ich schlecht, nein sogar unverantwortlich! Brüssel spielt auch keine gute Rolle, leidet auch unter Amerika First!

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