Auf zur 3. Impfung! Boosts schützen besser, vor allem die Älteren und Vorerkrankten.

Österreich befindet sich im Impfdilemma. Und zwar im doppelten Sinne. Offensichtlich sind 15% der Menschen nicht bereit sich impfen zu lassen. Man wird sie aber auch nicht überzeugen können. Verlorene Kommunikationsarbeit.

15% der Ungeimpften zögern noch. Sie kann man vielleicht überreden. Im persönlichen Gespräch oder durch strenge Regelungen sanft zwingen, beispielsweise mit dem  angekündigten Lockdown ab der Stufe 5. Das heißt bei einer Intensivbettenauslastung von mehr als 600. Das ist gut so. Daneben aber wird vergessen, die 3. Impfung konsequent vorzubereiten.

Appelle allein sind wahrscheinlich zu wenig. Das haben die Erfahrungen der Vergangenheit gelehrt. Viele Patienten in Pflegeeinrichtungen haben noch keinen 3. Stich bekommen. Sie sind extrem gefährdet. Man muss vermeiden, dass es wie in der 1. Phase zu signifikant vielen Todesfällen in Pflegeheimen kommt.

Eine Durchimpfung, generalstabsmäßig geplant, ist notwendig. Aber auch alle anderen sollten direkt aufgefordert werden, sich der Auffrischungsimpfung zu unterziehen. Manche Staaten machen das sehr gescheit. Sie kontaktieren die Personen und schreiben ihnen konkrete Impftermine vor. Das erleichtert den Zugang und erhöht die Impfquote. Das ist bewiesen.

Die Bedrohung durch die Pandemie ist nicht kleiner, sondern größer geworden. Es gibt eine neue Mutation, die beispielsweise in England derzeit die dominante ist. Auch in Österreich wurden schon Fälle registriert. Und es ist angesichts der neuen Reisefreiheit zu erwarten, dass diese Mutation auch bald bei uns grassiert.

Österreich ist, so zynisch es klingt, ein willkommenes Opfer für das Virus. In keinem anderen westeuropäischen Land ist die Durchimpfungsquote so gering wie bei uns. Manche Bundesländer, die signifikant hohe Inzidenzen haben, haben noch nicht einmal die 60%-Schwelle erreicht, in manchen Gemeinden liegt man sogar unter 50%.

Das ist verantwortungslos und genant. Deshalb müssen zwei Strategien parallel gefahren werden. Verschärfung der Regelungen für Nicht-Geimpfte oder Nicht-Geschützte, wie die Regierung nun mehr nobel sagt, mit konkreten Vorschreibungen von Impfterminen, gleichgültig, ob sie dann auch wahrgenommen werden oder nicht.

Und eine große Kampagne für die Drittimpfung. Immerhin wurden im Mai, Juni und Juli dieses Jahres die meisten Menschen geimpft und ab spätestens Jänner ist es Zeit mit den Drittimpfungen zu beginnen. Zuerst aber gilt es, konsequent die älteren Menschen und pflegebedürftigen Menschen durchzuimpfen: In den Pflegeheimen, in den Tagespflegestätten und die Personen, die sich in Hauspflege befinden.

Wir müssen vermeiden, dass es zu Überlastungen von Intensivstationen kommt und das die Todesfälle ungebremst sich vermehren. Wiedereinmal ist es 5 vor 12 im Jahr zwei der Pandemie

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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