Ausgeruhte Ärzte und Pfleger! Das wollen und brauchen Patienten!

38 Stunden pro Woche – und zumeist kommen ein paar Überstunden hinzu – sind einer Alten- und Behindertenpflegerin auf die Dauer nicht zumutbar: weder physisch noch psychisch. Eine 70 Stundenwoche kann ein junger Arzt vielleicht ein paar Jahre durchhalten – mehr geht nicht mehr. Allein aus Verantwortung den Patienten und der eigenen Persönlichkeit gegenüber.

Die Praxis ist aber so. Ein Arzt in Ausbildung muss de facto Über- und Wochenendstunden machen, um auf ein halbwegs vernünftiges Einkommen zu kommen. Und das mit 30 Jahren und darüber. Kranken- und Altenpfleger zählen zu den am schlechtest bezahlten Berufen in Österreich in Relation zu Belastung und zur Leistung, die sie erbringen. Es ist kein Wunder, dass die Ärzte und Pfleger zu den am meisten Burnout gefährdeten Berufen zählen, und dass viele Pflegekräfte nach wenigen Jahren ihren Job aufgeben.

Es ist auch kein Zufall, dass 4 von 10 Ärzten nach dem Studium ins Ausland gehen, weil die Arbeitszeiten besser geregelt sind und es mehr Geld gibt.

In diesem Sinne ist der Aufstand der Alten- und Behindertenpfleger mehr als nur zu verstehen. Das Problem ist, dass viele der Betreiber von Pflegeheimen aus dem caritativen, oft gemeinnützigen Bereich kommen und selbst gezwungen sind zu sparen. Die privaten Betreiber hingegen sind dem Ertragsdenken verpflichtet. Sie würden lieber etwas mehr Geld zahlen, als zusätzliche Kräfte einzustellen.

Und manche Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen finden einfach kein Personal, weil es zu wenig ausgebildete Interessenten gibt. Man kennt das von den seit Jahren freien Turnusplätzen in Regionalspitälern und natürlich auch von den Pflegeanstalten.

Statt dieses Problem – das sich explosionsartig verschärfen wird – mutig in Angriff zu nehmen und dem Sparfetischismus adè zu sagen, wird herumgewurstelt. Seit Jahren schon.

Wenn die Gesundheitskassa jetzt draufkommt, dass sie heuer und in den Folgejahren gewaltige Defizite schreiben wird, ist das ein Systemversagen. Jetzt auf Kosten der Arzthonorare einzusparen ist katastrophal. Und schlichtweg dumm.

Abgesehen davon wird es jedem einleuchten, dass eine Institution, bei welcher jedes halbe Jahr der Vorsitzende wechselt, nicht effizient sein kann. Bevor einer oder eine sich eingearbeitet hat, muss sie schon wieder gehen. Dazu kommt noch, dass die jeweiligen Vorsitzenden nicht dieselbe Linie vertreten. Wer soll sich da noch auskennen.

Tatsache ist: es fehlen in den nächsten Jahren 70.000 Pflegekräfte. Und es fehlen österreichweit mehr als 1.300 Kassenärzte. Gar nicht zu reden von den wahrscheinlich  3 mal so vielen Krankenhausärzten. Der Fehlbestand wird von Jahr zu Jahr größer: Pensionierung, Erschöpfung, vorzeitiger Abgang, Wechsel in andere Berufe oder ins Ausland.

Das ist kontraproduktiv. So kann und darf es nicht weitergehen.

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