Bilanz und Ausblick #2: Ausbildung

Nach 10 Jahren als Präsident der Ärztekammer für Wien und 5 Jahren als Präsident der Österreichischen Ärztekammer endet meine Amtszeit in den nächsten Wochen. Ich möchte deshalb in einer Serie von Blogs auf die letzten 10 Jahre zurückblicken und in einer bewusst öffentlichen Übergabe einen Ausblick wagen, welche Herausforderungen und Aufgaben die Ärztekammer in den nächsten Jahren erwartet.

Ärzteausbildung

Es mag manche ältere Kollegen zum Schmunzeln bringen, die die aktuelle Ausbildung in den Spitälern mit ihrer eignen, noch viel mühsameren vergleichen, aber die Ausbildung muss sich in Wien in den nächsten Jahren verbessern, um auch international kompetitiv zu bleiben.

Die relativ simple Vorgabe ist es, in Österreich eine mit dem Ausland vergleichbare Ausbildung anzubieten. Dies kostet Zeit und Geld, sichert aber die künftige ärztliche Versorgung auf hohem Niveau. Ausbildungsinhalte, die man nachweisen muss und ein vernünftiges Verhältnis zwischen Fachärzten und Ausbildungsärzten zu schaffen, wurde deshalb in den vergangenen Jahren auf Initiative der Ärztekammer bereits gesetzlich beschlossen. Im Rahmen von gemeinsamen Kommissionen wird dies nun überprüft und weiter verbessert. Es ist auf höchster politischer Ebene bereits angekommen, dass man die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses sicherstellen muss. Die Ärztekammer entwickelte zu diesem Zweck ein Logbuch, in welches absolvierte Ausbildungsinhalte elektronisch eingetragen werden können. Es soll künftig sicherstellen, dass gut ausgebildet wird.

Ausblick

Für eine gute Ausbildung fehlt aktuell sowohl den Ärzten in Ausbildung als auch den Fachärzten die Zeit. Wir brauchen deshalb ein Bekenntnis der Träger, dass Ausbildungszeit Dienstzeit und mit 20% im Dienstplan einzuplanen ist. Denn fundierte Ausbildung muss in einer 40 (max. 48) Stunden Woche möglich sein. Dazu sollte im Idealfall jede Abteilung ein Ausbildungskonzept vorlegen müssen, welches dann auch konsequent eingehalten wird. Wenn sich mehrere Ausbildungsbeauftragte an einer Abteilung etablieren, wird eine zyklische Überprüfung der Tätigkeit notwendig sein. Für diese engagierten Ausbildner sollte es dann auch eine angemessene Honorierung geben. So auch für regelmäßige Fortbildungen an allen Abteilungen.

Außerdem ist die Ausbildung aktuell noch nicht familienfreundlich genug. Sowohl bei Kinderbetreuungsmöglichkeiten also auch bei Fortbildungsprogrammen während- und beim Wiedereinstieg nach der Karenz haben alle fast alle Wiener Träger noch verbesserungsbedarf.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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