Bilanz und Ausblick #5: Wohlfahrtsfonds

Nach 10 Jahren als Präsident der Ärztekammer für Wien und 5 Jahren als Präsident der Österreichischen Ärztekammer endet meine Amtszeit in den nächsten Wochen. Ich möchte deshalb in einer Serie von Blogs auf die letzten 10 Jahre zurückblicken und in einer bewusst öffentlichen Übergabe einen Ausblick wagen, welche Herausforderungen und Aufgaben die Ärztekammer in den nächsten Jahren erwartet.

Wohlfahrtsfonds

Der Wohlfahrtsfonds (WFF) der Wiener Ärztekammer ist ein österreichweiter Pensionsfonds mit Invaliditätsversicherung und Hinterbliebenenversorgung. Alle im Wohlfahrtsfonds erbrachten Leistungen folgen einem wesentlichen Grundsatz: dem sogenannten Äquivalenzprinzip. Dieses soll gewährleisten, dass grundsätzlich nicht mehr an Leistungen ausbezahlt wird als an Beiträgen eingenommen wurde.

Die Mitgliedschaft im Wohlfahrtsfonds ist verpflichtend, was bei vielen Kollegen zu Unverständnis und Ablehnung führt. Vielfach wird die Abschaffung des Wohlfahrtsfonds gefordert. Die Folge ist vielen aber nicht bewusst. Würde man den WFF abschaffen (für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Mehrzahl der Bundesländer dies mitträgt) müsste eine Generation von Ärzten die Pensionen der zum Bezug von Pensionen berechtigten Ärzte bezahlen, ohne selbst je einen Pensionsanspruch zu erlangen.

Dadurch ist die Abschaffung keinesfalls eine gute Option. In den letzten Jahren unter mir als Präsident war es deshalb wichtig den WFF, der vor wenigen Jahrzehnten in Schwierigkeiten geratenen war, zu sanieren und damit gewinnbringend und zukunfstauglich zu machen.

Der Fonds ist nun finanziell saniert und sämtliche Mitglieder des Verwaltungsausschusses, der derzeit aus 19 Mitgliedern aller Fraktionen besteht, haben gemeinsam Entscheidungen getroffen, um Vermögenswerte zinsbringend zu veranlagen. Dass das in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen ist, zeigt sich dadurch dass das Vermögen von etwas mehr als 200 Mio. Euro auf über eine Milliarde Euro vermehrt wurde. Sowohl Wertpapiere als auch Immobilien haben ordentliche Zinsgewinn erwirtschaften können. Damit konnten einerseits schon Pensionserhöhungen finanziert werden und andererseits konnte der Beitrag zum Wohlfahrtsfonds einkommensabhängig spürbar gesenkt werden. In den vergangenen Jahren wurde der Wohlfahrtsfond endlich wieder zu einer Erfolgsgeschichte und das gemeinsam bei meist einstimmigen Beschlüssen des Verwaltungsausschusses.

In den vergangenen 10 Jahre wurden eine Reihe von Immobilien in Form von Zinshäusern auf der Mariahilferstraße, Landstrasser Hauptstraße, am Schwedenplatz, Karlsplatz oder am Graben angekauft. Insbesondere der Kauf des Hauses am Graben wurde medial kommentiert und kritisiert. Hier wurde ein einzigartiges Haus an einer Wiener Topadresse angekauft. Auch hier mit einem einstimmigen Beschluss des Verwaltungsausschusses. Der Preis war ortsüblich. Die Alternative es günstiger zu kaufen bestand nicht. Die Verantwortlichen sind von einer Wertsteigerung des Objektes ausgegangen und in der Tat gab es allein vergangenes Jahr in Wien hohe Wertsteigerungen der Immobilien. Auch nach meinem Verständnis ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Haus auf dem Wiener Graben in den kommenden Jahrzehnten einen Wertverlust erleidet. Vielmehr wird auch dieses Objekt durch hohe Einnahmen die Zusatzpensionen der Wiener Ärzteschaft sichern.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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