Bilanz und Ausblick #6: Pandemie

Nach 10 Jahren als Präsident der Ärztekammer für Wien und 5 Jahren als Präsident der Österreichischen Ärztekammer endet meine Amtszeit in den nächsten Wochen. Ich möchte deshalb in einer Serie von Blogs auf die letzten 10 Jahre zurückblicken und in einer bewusst öffentlichen Übergabe einen Ausblick wagen, welche Herausforderungen und Aufgaben die Ärztekammer in den nächsten Jahren erwartet.

Pandemiemanagement

Die Covid19 Pandemie war eine der prägenden Entwicklungen in meiner Amtszeit als Präsident der Österreichischen Ärzteammer. Seit März 2020 gab es hier verständlicherwiese viele Herausfoderungen. Abläufe die über Jahre unverändert waren, funktionierten plötzlich nicht mehr. Am auffälligsten war das in den ersten Wochen bei der Verfügbarkeit von Schutzmaterial – insbesondere Masken. Die Wiener Ärztekammer hat sehr früh begonnen selbst Material zu kaufen. Zu Beginn waren das noch wenige Schutzmasken zu überteuerten Preisen. Es gelang uns aber relativ bald unter Einsatz eigener Ressourcen (Ich musste für die Freigabe eine Lieferung sogar beim deutschen Bundespräsidenten Franz Walter Steinmeier intervenieren) und später in Gesprächen mit Stadt und Bund, sowohl für die Spitäler als auch für den niedergelassenen Bereich ausreichend Schutzausrüstung zu erhalten um Infektionen in Gesundheitseinrichtungen zu verhindern. Bis heute verteilt die Wiener Ärztekammer Schutzmaterial, welches uns von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt wird, laufend an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Außerdem gibt es eine eigene Teststation für Mitarbeiter im Gesundheitssystem. Der Schutz der Ordinationen und des Gesundheitspersonals in den Krankenanstalten war und ist der Wiener Ärztekammer besonderes wichtig.

Die Verfügbarkeit von Impfstoff sorgte für die nächste herrausfordernde Phase der Pandemie. In Wien ist es der Ärztekammer gelungen, dass das Gesundheitspersonal trotz Impfstoffmangels besonders früh, also schon im Januar 2021, geimpft wurde. Dies war nicht in allen Bundesländern so und hat dazu beigetragen, dass Infektionen und Cluster in Ordinationen und Krankenanstalten zum Glück selten geblieben sind.

Als Präsident der Ärztekammer war es meine Aufgabe der Bevölkerung zu versichern, dass die Impfung wirkt und ungefährlich ist. Damit habe ich den Hass der Impfgegner und Pandemieleugner auf mich gezogen. Schlimmer war allerdings, dass Ärzte, die tagtäglich für das Wohl ihrer Patienten gekämpft haben, bedroht wurden. Ordinationen und Ambulanzen standen plötzlich vor der Situation, nicht nur gegen einen bisher nie dagewesenen Virus kämpfen müssen, sondern sich auch gegenüber Patienten und deren Angehörigen rechtfertigen zu müssen. Teilweise war es sogar notwendig sich sogar vor verbalen und körperlichen Anfeindungen zu schützen.

Ausblick

Wie schon 2020 und 2021 wird sich das Infektionsgeschehen über den Sommer beruhigen. Ich habe die Hoffnung, dass es im Herbst 2022 weniger Tote gibt als in den Vorjahren. Es ist den Geimpften und Vorsichtigen Mitbürgern zu verdanken, dass unsere Krankenanstalten die Pandemie im Winter 2021 ohne Triage geschafft haben. Mein Wunsch wäre es, dass der Großteil der Bevölkerung weiterhin zusammenhält, um die Pandemie schon bald tatsächlich hinter uns zu lassen. Die Ärztekammer wird selbstverständlich solange Anlaufstelle für Anfragen und Hilfestellungen in diesem Zusammenhang bleiben, solange sie gebraucht wird.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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