Bilanz und Ausblick #1: Die Wiener Ärztekammer

Nach 10 Jahren als Präsident der Ärztekammer für Wien und 5 Jahren als Präsident der Österreichischen Ärztekammer endet meine Amtszeit in den nächsten Wochen. Ich möchte deshalb in einer Serie von Blogs auf die letzten 10 Jahre zurückblicken und in einer bewusst öffentlichen Übergabe einen Ausblick wagen, welche Herausforderungen und Aufgaben die Ärztekammer in den nächsten Jahren erwartet.

Die Serviceleistungen der Wiener Ärztekammer

Ich begann mich in der Ärztekammer zu engagieren, weil mir die Leistungen der Kammer für ihre Mitglieder, insbesondere der Kurie für angestellte Ärzte, zu gering waren. Als Vizepräsident und Kurienobmann hatte ich vor mehr als 14 Jahren nur 2 Mitarbeiterinnen in der Kurie. Den Wiener Spitalsärzten Serviceleistungen zu bieten, war schon allein durch diesen Personalmangel unmöglich. Heute ist die angestellte Kurie der niedergelassenen Kurie sehr ähnlich, genießt ein hohes Ansehen bei den Verhandlungs- und Ansprechpartnern und für die Anliegen der Ärzte in den Wiener Spitälern ist immer ein Ansprechpartner verfügbar. Die Mitarbeiterinnen der Kurie haben mitlerweile das Netzwerk, die Erfahrung und die Möglichkeiten die angestellten Wiener Ärzte zu unterstützen

Doch nicht nur in der Kurie für die angstellten Ärzte hat sich viel getan: Die Ärztekammer hat die Leistungen für ihre Mitglieder in vielen Bereichen erweitert und verbessert. Fortbildungen, Veranstaltungen, Serviceleistungen sowie Unterstützungsleistungen werden sehr breit angeboten und sollen helfen, das Leben der Ärztinnen und Ärzte zu erleichtern. Das beginnt bei gesellschaftlichen Events und endet bei der individuellen Beratung in rechtlichen oder persönlichen Fragen.

Mir war es als Präsident wichtig einen neuen, kollegialen Stil innerhalb der Ärztekammer zu schaffen. Deshalb war mir auch die bewusste Zusammenarbeit aller Fraktionen im Sinne der Wiener Ärzteschaft wichtig. Als Lohn für diese Geschlossenheit hat die Ärztekammer aktuell eine starke Position und viel Einfluss im Gesundheitssystem. Sie vergibt die Berechtigungen für die Berufsausübung, führt Prüfungen für Ärztinnen und Ärzte durch, organisiert ärztliche Fortbildungen, erarbeitet Österreichs gesundheitspolitische Programme, nimmt Stellung zum Ärztegesetz, betreibt Initiativen zur Erhöhung der Patientensicherheit und erlässt Honorar und Werberichtlinien sowie den ärztlichen Verhaltenskodex. Das sind allesamt Aufgaben, die auch andere Stellen im österreichischen Gesundheitssystem gerne übernehmen und bestimmen würden. Es sollte im Interesse aller Ärzte und damit auch aller Fraktionen sein, dass diese Verantwortung in der Hand der Ärzteschaft bleibt.

Finanziell ist die Wiener Ärztekammer hervorragend aufgestellt: Mehr Ärzte in Wien und die massiven Gehaltserhöhungen der letzten 10 Jahre, vor allem durch das KAAZG neu, bringen auch der Ärztekammer höhere Einnahmen, obwohl die Kammerumlage für jedes Mitglied auf durchschnittlich ca. 50 Euro netto pro Monat gesenkt werden konnte. (Dem Wohlfahrtsfonds werde ich noch einen eigenen Blog widmen.) Mit den Gebühren der Mitglieder wurde sorgsam umgegangen und vor allem der Personalstand der Ärztekammer erweitert. Dadurch wurden die Serviceleistungen der Kammer ausgebaut. Die Abläufe und Prozesse in der Kammer wurden in den letzten Jahren stetig verbessert und sind mitlerweile auch ISO zertifiziert. Die Zufriedenheit mit den persönlichen Dienstleistungen wurde in den letzten Jahren deutlich verbessert, was durch regelmäßige Umfragen belegt werden konnte.

Der Ausblick:

Ich hoffe dass die kommende Führung der Wiener Ärztekammer den konstruktiven Weg der Konsens-Politik fortsetzen kann. Zu oft hatte die Ärztekammer in der Vergangenheit das Image in Sachfragen nicht an Lösungen, sondern am Verhindern intersessiert zu sein. Die Mitarbeiter in den Kurien und im Kammeramt leisten hervorragende Arbeit im Sinne der Wiener Ärzteschaft. Leistungen einzusparen um mehr Geld für Imagekampagnen zu haben wäre aus meiner Sicht der falsche Weg. Jede Entscheidung der ärztlichen Vertreter muss den Mitgliedern dienen und nicht dem persönlichen Vorteil.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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