Bitte gegen Zecken impfen lassen! Und gegen Grippe!

Noch nie so viele FSME Erkrankungen wie heuer. Noch nie so viele Intensivstationen belegt.

Es gibt auch Gefahren abseits von Corona, die das Gesundheitssystem höher belasten als bisher. Zum Beispiel Zecken. Zecken sind nicht nur resistenter geworden und erreichen Höhen von bis zu 1.500 Meter, es sind auch deutlich mehr Österreicher in der Natur unterwegs als bisher. Was wiederum indirekt mit Corona und dem Urlaub im eigenen Land zusammenhängt.

Österreicher sind als Impfmuffel bekannt. Zeckenimpfungen sind unproblematisch und schützen wirksam. FSME Erkrankungen können tödlich ausgehen oder verlangen aufwendige Therapien in Intensivstationen. Gerade aber Intensivstationen benötigt das Gesundheitssystem in Corona-Zeiten mehr denn je.

Die nächste Grippewelle kommt in jedem Fall. Jetzt sollte man sich – bevor möglicherweise der Impfstoff ausgeht – impfen lassen. Wien bietet die Grippeimpfung für alle gratis an und hat genügend an Impfstoff eingekauft, um die lokale Bevölkerung zu versorgen.

Man muss lediglich hingehen. Denn es wäre fatal, wenn im Winter und Herbst eine Grippewelle und eine Corona-Welle zusammenfielen ,die  das Gesundheitssystem extrem belasten – wenn nicht überlasten.

Wir brauchen genügend freie Kapazitäten: Human Resourcen und Intensivbetten sowie Isolierzimmer.

Allein das ist ein Grund, warum wir als Ärztekammer für die Impfpflicht sind. Oder zumindest für die Verknüpfung von Impfnachweisen mit sozialen Zuschüssen wie beim Mutter-Kind-Pass und bildungstechnischen wie Zulassung zur Universität oder zum Gymnasium, etc. Sonst erreichen wir beispielsweise bei Masern oder Grippe nie die notwendige Durchimpfungsquote.

Dasselbe gilt natürlich auch für den Fall, dass es eine wirksame Corona-Impfung gibt. Hier wäre es verantwortungslos auf die Impfpflicht zu verzichten. Im Sinne der Allgemeinheit. Aber auch im Sinne der Wirtschaft.

Denn Wirtschaft kann sich nur erholen und stabilisieren, wenn es gesunde Arbeitskräfte gibt, die die notwendige Resilienz haben und ein Gesundheitssystem kann nur funktionieren, wenn es gesunde Ärzte und Pflegekräfte gibt. Die gilt es vorab zu schützen.

Derzeit, scheint mir, wird mit zu lässiger – oder sollte man sagen verwirrender – Hand agiert. Das kann nicht gut gehen, befürchte ich.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

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