Bitte mehr und klarer informieren! Lockerung heißt nicht laissez faire.

Der Ansturm auf die Shopping-Center am 08.12. war deutlich geringer als befürchtet. Das mag mehrere Gründe haben: Die Menschen nehmen das Virus und die Risiken der Infektion ernster als bisher, die Konsumlust ist wegen Corona oder aus Angst um Arbeitsplatz und Einkommen drastisch gesunken, oder  Online und E-Shopping sind die neue Normalität. Es bleibt zu hoffen, dass der Trend anhält.

Denn: Nach wie vor sind die Zahlen der Neuinfektionen zu hoch, die Zahl der Toten mehr als beunruhigend. Und die Zahl derjenigen, die sich freiwillig testen lassen, viel zu gering. Dabei hat sich die Organisation als äußerst robust erwiesen.

Die derzeitigen Lockerungen dürften weder ausgeweitet werden  noch dürfen die Kontrollen nachlassen. Sonst steigt die Zahl der Erkrankten sofort wieder in die Höhe und die Spitalstruktur ist extrem gefährdet. Langsam gehen die Ressourcen aus: Auch Pflegekräfte und Ärzte können erkranken, die meisten sind jetzt schon  am Rande der Erschöpfung. Die Betreuung von Corona-Erkrankten bindet wesentlich mehr Sorgfältigkeit und Zeit als jene von „normalen“ Patienten, die man  aber dennoch  zusätzlich schützen muss. Und ebenso isolieren.

Vor allem aber erwarten die Menschen jetzt klare Richtlinien und Verhalten: Wie vorsichtig solle man zu Weihnachten sein, welche Maßnahmen müssen getroffen werden? Was muss man zur Vorbereitung von Familientreffen als Sicherheitsmaßnahmen treffen? Welche Alternativen gibt es? Welche Institutionen geben einsamen Menschen Hilfe? Wie kann man sich während der Feiertage bestmöglich medizinisch versorgen lassen?

Inserate mit Slogans allein bringen es nicht, und unzählige Pressekonferenzen, die an vielen Konsumenten vorbeigehen, sind eher belastend denn aufmerksamkeitsstiftend.

Die Regierung hat sich ein großes Kommunikationsbudget gesichert. Jetzt muss in Kommunikation – und das heißt weder in Angstmache noch Schönfärberei – investiert werden. Die Menschen erwarten Leitlinien und Aufklärung statt Gängelung und nicht erklärten Erlässen.

Die deutsche Bundeskanzlerin, gewiss keine Freundin der unnötigen Dramatisierungen, hat es klar gesagt. Wenn wir so weitertun kommen wir nicht durch den Winter. Dabei hat Deutschland deutlich weniger Infektionen pro 100.000 Einwohner und eine geringere 7-Tages-Inzidenz als Österreich.

Aufklären, zum Testen animieren und auf die Vorteile der Tests verweisen, mehr Obsorge für Alten- und Pflegeheime, wo es die meisten Todesfälle gibt, und Verdeutlichung der Ernsthaftigkeit der Situation kommen an erster Stelle. Über Konsum zu diskutieren oder Freizeitfun ist das Letzte, was wir brauchen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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