Corona-Schutz statt Datenschutz?

Warum wir Big Data brauchen, um die Pandemie zu bändigen.

Ohne Daten keine Erkenntnisse. Ohne Datenverknüpfung keine Möglichkeit zur Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen. Dessen sollen wir uns bewusster denn je sein. Wobei: Big Data heißt Kodifizierung und Anonymisierung. Deshalb: Bitte kein Datenschutzfetischismus.

Ohne Big Data keine Repositionierung von Medikamenten. Ohne Big Data keine Möglichkeit, der Entwicklung von Impfstoffen. Ohne Big Data kein Containment. Wir sollten uns damit auseinandersetzen, dass die moderne IT die einzige Chance ist, um die Pandemie zu bekämpfen. Noch dazu wo sogenannter Datenschutz zumeist irrational interpretiert ist: Die wenigsten Konsumenten haben Angst davor, ihre Daten Google, Amazon oder Apple-Health zur Verfügung zu stellen. Und geben damit ihre Daten Preis für kommerzielle Zwecke.

Hingegen sind Menschen scheinbar sensibel, wenn es um ihre persönlichen Daten geht – die Apple und Co. ohnehin im perfekten Ausmaß haben und erweitern – und blockieren.

Wir haben unendlich viele Daten, die nicht verknüpft sind. Meta-Datenbanken können das verknüpfen. Und die Basis für wissenschaftliche Weiterentwicklung liefern.

Ohne „Live-Tests“ werden wir nicht wissen, ob ein eventueller Anti-Corona-Impfstoff auch wirkt und valide ist. Wir sollten – vor allem die Politik sollte es – deutlich sagen, dass Big Data auf dem Prinzip der Anonymisierung und Verschlüsselung basiert. Niemand will schnüffeln. Aber Wissenschafter müssen wissen, welche inhaltlichen Verknüpfungen es gibt.

Wenn wir Cluster identifizieren wollen, müssen wir wissen, welche Daten wir verarbeiten können. Irgendwelche persönlichen Aussagen oder sonstige Mitteilungen stellen keine Basis dar.

Man hat gesehen wie stümperhaft zuletzt in Bayern und anderswo Datenerfassung betrieben wurde: Händisch und nicht nachvollziehbar – das darf im 21. Jahrhundert, da 90% der Menschen online sind und Smartphones haben, eigentlich nicht passieren.

Also bitte: Daten nutzen, Daten verknüpfen, statt sie aus falschem Rechtsverständnis voneinander zu isolieren.

Wir brauchen Evidenzen. Die liefern ausschließlich Daten, die wiederum mit anderen Daten verknüpft werden.

Dazu sollte sich eine derzeit sehr volatil und populistisch agierende Politik endlich bequemen. Auch wenn man dabei kurzfristig etwas weniger Applaus erhält.

Wir sind die bestinformierte Gesellschaft, die es je gegeben hat. Wenn wir daraus nichts machen, fallen wir ins Mittelalter zurück: Dann behandeln wir Corona wie die Pest mit Verschwörungstheorien. Und diese sind das gefährlichste Gift. Und das Virus freut sich.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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