COVID-19: Jetzt könnte uns „big data“ helfen!

Warum nutzen wir es nicht? Nur, um den Datenschutz zu sichern ?

Die Corona Pandemie hat die Welt fest im Griff. Ein neues Virus, das sich in sehr unterschiedlichen Krankheitsverläufen manifestiert und gegen welches es derzeit weder eine Schutzimpfung noch eine wirkungsvolle zugelassene Therapie gibt.

Wir benötigen möglichst bald eine Schutzimpfung und  wirkungsvolle Therapien, um schwere Verläufe verhindern zu helfen.

Impfungen werden von ca. 150 verschiedenen Firmen weltweit mit Nachdruck entwickelt. Einige wenige Firmen sind bereits in klinischer Prüfung und könnten wenn die klinischen Studien erfolgreich sind, in einigen Monaten eine Zulassung für ihren Impfstoff erhalten. Bis dahin heißt es geduldig sein. Jedenfalls sollen wir uns rechtzeitig Impfstoff sichern, um uns ein Desaster wie bei der Schutzausrüstung zu ersparen. Sobald es einen Impfstoff gibt, fängt der weltweite Wettlauf um Impfdosen an. Und da spielen größere Länder als wir die entscheidende Rolle.

Plasmaspenden

Eine Option ist die Verwendung von Plasma Genesener, um schwer Erkrankte mit den Antikörpern der Genesenen zu versorgen, und so  den Krankheitsverlauf zu mildern. Leider haben österreichweit erst einige hunderte Genesene gespendet. Es gäbe einige Tausende potentielle Spender, weshalb ich durch eine kleine Zuwendung den Genesenen einen zusätzlichen Motivationsschub zum Plasmaspenden geben würde.

Entwicklung eines wirksamen Medikaments

Auch an der Medikamentenentwicklung wird intensiv gearbeitet, wobei die Neuentwicklung von wirksamen Medikamenten Jahre-und damit zu lange- dauert. Deshalb setzt man auf bereits existierende Medikamente, die auch gegen Covid Infektionen wirken. So erspart man sich den Großteil eines langwierigen Zulassungsverfahrens. Man nennt das „drug repositioning“ und untersucht eine Reihe von existierenden Medikamenten.

Hier könnte uns big data  helfen. Österreich ist nämlich eines der wenigen Länder, welches über umfassende Medikationsdaten der Bevölkerung verfügt. Die Sozialversicherung, wie ELGA verfügen über Information, wer welche Medikamente regelmäßig nimmt.

 Einige dieser Medikamente könnten die Vermehrung der Viren hemmen und  schwere Verläufe verhindern helfen. Um diese Medikamente zu identifizieren, wäre es hilfreich die Daten der Medikamente mit den Daten der Gesundheitsbehörde (wer hat eine Covid Infektion) und der Spitäler (Information über schwere Verläufe) miteinander abzugleichen. Damit ließe sich  herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Medikation und leichten Covid Infektionsverläufen gibt.

 Selbstverständlich müsste man die Daten nach Zusammenführung der Informationen anonymisieren.Es ist nicht notwendig zu wissen, wer infiziert war. Weshalb so eine Datenanalyse nicht gemacht wird, ist mir nicht nachvollziehbar, denn man könnte Informationen von wesentlichem Wert erhalten.

 Ich bin überzeugt, das wäre datenschutzrechtlich unbedenklich und böte eine reelle Chance ein wirksames Medikament für die Behandlung von Covid zu finden.Weshalb nützen wir diese Chance nicht ?

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Posted in

Hinterlassen Sie einen Kommentar