Weihnachten nutzen, um das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen

Es ist die ruhigste Zeit im Jahr. Auch heuer verbringen die meisten Österreicher die Zeit zwischen 24. Dezember und 6. Jänner mit der Familie und mit Freunden. Die Herausforderungen, die das Leben stellt, rücken für einige Tage in den Hintergrund. Sogar in den Ambulanzen wird es etwas ruhiger, selbstverständlich sorgen die Ärztinnen und Ärzte in den Wiener Spitälern aber weiterhin dafür, dass jeder Patient therapiert und jeder Notfall versorgt wird.
Ich habe jedoch auch Freunde, die die Feiertage traditionell nutzen, um Dinge aufzuarbeiten und Geschehenes zu reflektieren. Aus vielen Gesprächen und Kontakten der letzten Zeit weiß ich daher: Auch heuer war die Vorweihnachtszeit für uns alle – und vor allem für uns Ärzte – keine leichte Zeit.

Es gibt einige Themen, die in meinem Umfeld ständig diskutiert werden. Hierbei suchen manche Gruppierungen bewusst den maximalen Widerspruch, um damit zu kampagnisieren. Dabei sind es die Gemeinsamkeiten, die wir betonen sollten, um unser normales Leben ohne Pandemie bald zurückzubekommen. Auf drei dieser Themen möchte ich kurz eingehen.

Kinderimpfungen:
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Ende November beschlossen, dass Kinder ab fünf Jahren in Europa mit dem Impfstoff des Herstellers Pfizer/BioNTech geimpft werden dürfen. Das Nationale Impfgremium (NIG) hat eine Impfempfehlung abgegeben. Die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) empfiehlt die Impfung für Kinder ab zwölf Jahren, Kinder mit Vorerkrankungen bzw. Kinder, die Kontakt zu Risikopatienten haben, sollen allerdings bereits ab fünf Jahren geimpft werden. Offenbar verunsichern diese leicht unterschiedlichen Empfehlungen in Österreich viele Menschen. Dabei ist das Gemeinsame zwischen EMA, NIG und STIKO offensichtlich: Die Impfung schützt und ist für Kinder zugelassen.

Impfpflicht ist keine Zwangsimpfung:
Der Aufschrei ist bei Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, besonders laut. Sie sprechen teils sogar von einer „Zwangsimpfung“ für Kinder. Diese Interpretation ist falsch. Es ist erlaubt, Kinder zu impfen, um sich und andere zu schützen. Niemand wird zur Impfung gezwungen, auch Erwachsene nicht.
Vergleichen Sie es mit der Winterreifenpflicht: Wenn Sie mit Sommerreifen auf Schneefahrbahn einen Unfall verursachen, haften Sie für die Schäden selbst. Sie begehen eine Verwaltungsstrafe, wenn Sie mit Sommerreifen im Winter fahren. Das Ziel dieser Pflicht ist die Verringerung von Unfällen und damit der Schutz von Menschleben. Noch nie aber wurde ein Auto polizeilich aus einer Garage gezerrt, um ihm Winterreifen aufzuziehen.
Dasselbe Prinzip gilt für die Impfpflicht. Ihr Ziel ist, dass sich mehr Menschen impfen lassen, um die Pandemie zu beenden. Wird dieses Ziel erreicht, muss sich schon bald keiner mehr gegen COVID-19 impfen oder gar deswegen behandeln lassen. Auch hier werden also Menschenleben geschützt.
Gemeinsam können wir das erreichen, was wir alle herbeisehnen: ein Ende aller Verpflichtungen und Einschränkungen.

Wirkung der Impfung:
Ich habe, wie fast alle Ärzte, für die Impfung geworben und sie, wie fast alle Experten, als den besten Weg aus der Pandemie bezeichnet. Das ist sie auch. Natürlich hätten wir alle uns erhofft, dass der Impfschutz länger anhält, allerdings sind hämische Kommentare, die Impfung wäre wirkungslos, nicht nur überflüssig, sondern völlig falsch.
Nach Milliarden verimpften Dosen weltweit und zahlreichen Studien kann davon ausgegangen werden, dass die Impfung – ganz im Gegenteil zur Erkrankung – keine Langzeitfolgen nach sich zieht.
Das Gemeinsame ist auch hier leicht zu finden: Die Impfung schützt und verhindert schwere Verläufe, hat aber derart wenig Langzeitwirkung, dass man sie alle paar Monate erneuern muss.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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