Das Gesundheitssystem darf nicht heruntergefahren werden!!!

Abgeltung der Verluste durch Corona für die Gesundheitskasse, vor allem aber für die Ärzte.

Die Gesundheitskassen warnen vor einem großen Defizit. Es könnte eine halbe Milliarde bis eine Milliarde werden. Grund: weniger Einnahmen durch Stundungen und hohe Arbeitslosenzahlen, dazu aber erhöhte Ausgaben. 90% der niedergelassenen Hausärzte mit Kassen haben während des Lockdowns ihre Ordinationen geöffnet gehalten und Einnahmeverluste erlitten. Auch das bei höheren Ausgaben, vor allem für Sicherheit. Die Regierung stellt sich taub. Die Funktionäre der Gesundheitskassen sind gespalten: die einen kalmieren, die anderen alarmieren, offensichtlich je nach Couleur oder Kasse.

Selbst die Stadt Wien hat laut und deutlich um Hilfe und Zuschüsse gerufen. Zu Recht, denn um die gesundheitlichen Standards zu halten und Vorsorge angesichts einer zweiten Corona-Welle zu treffen braucht es Geld. Und vor allem auch Personal, das dementsprechend bezahlt werden muss  Die meisten Corona-Fälle ereignen sich nun einmal in der Millionenstadt Wien, abgesehen von regionalen Clustern. Wobei Wien gut dasteht und das Problem verglichen zu anderen internationalen Großstädten, auch mit Hilfe des Ärztefunkdienstes der Ärztekammer, sehr gut beherrscht.

Selbiges gilt für die Ordinationen. Die Verluste, die erlitten wurden, können zum Großteil nicht mehr hereingewirtschaftet werden. Vor allem nicht bei Kassenärzten. Die Ausgaben werden aber weiter steigen: Schutzausrüstung, besondere Sicherheitsmaßnahmen für Patienten und noch mehr Administration, da sich die Sozialversicherung weigert, die elektronische Krankschreibung weiter zu akzeptieren.

Warum die Regierung nichts tut – trotz des Sagers, koste es was es wolle – verwundert. Will sie dabei zusehen, wie ein gut aufgestelltes Gesundheitssystem erodiert. Will sie, dass man bei einer zweiten Welle an Ressourcenmangel scheitert.

Es gibt mehrere Dinge, die verärgern: das nicht Kompensieren der Verluste der Gesundheitskassen ist das erste. Noch dazu, da alle Ökonomen sagen, dass die Arbeitslosigkeit zumindest im kommenden Jahr weiterhin extrem hoch sein wird.

Das andere ist die fehlende Vorsorgebereitschaft. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass im nächsten halben Jahr eine valide und wirksame Impfmöglichkeit gegen Corona besteht. Man müsste jetzt dringlich Vorverträge abschließen, um  die nötigen Quantitäten an Impfstoff  zu sichern. Sich auf die Einkaufsgemeinschaft der EU zu verlassen ist mehr als naiv. Das hat man schon beim Wettlauf um die Masken und Schutzausrüstung erlebt. Noch dazu handelt es sich nicht um exorbitante Summen für Optionen auf eine wirksame Schutzimpfung.

In wenigen Wochen beginnt die Schule – bis jetzt weiß kein Direktor was zu tun ist. Man sagt, man wolle sich nach Deutschland orientieren, wo es teilweise schon wieder Schulunterricht gibt. Doch Deutschland hat ein anderes System. Schulen sind Ländersache und die Länder agieren unterschiedlich: hier Maskenpflicht, dort keine. Und tatsächlich wurden einige Schulen schon nach zwei Tagen wieder geschlossen.

Das nächste Chaos scheint vorprogrammiert. Und das bei verlässlich steigenden Infektionszahlen – wir sind kontinuierlich nahe an der 200er Schwelle.

Da kann man nicht zusehen. Und stolz auf die Leistungen von vor einem halben Jahr verweisen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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