Der Impfstoff kommt. Fragen bleiben. Bitte jetzt offen kommunizieren! Und nicht falsche Illusionen wecken.

Voraussichtlich am 21.12. wird der neue Impfstoff von Biontech/Pfizer für die EU zugelassen und damit verfügbar. Laut Gesundheitsministerium ist mit einer Range von 10.000 Dosen noch heuer zu rechnen, in Altersheimen in Wien und Niederösterreich soll mit dem Impfen begonnen werden. Ab Jänner dürften dann größere Mengen geliefert werden – zunächst 230.000 Dosen, was für 115.000 Menschen reicht.

Bis zum ersten Quartal sollten weitere Impfstoffe – in höheren Mengen – zur Verfügung stehen, sodass man mit den massenhaften Impfungen noch im zweiten Quartal beginnen könnte – wenn alles reibungslos klappt, die Logistik stimmt. Und wenn die Impfbereitschaft im höheren Ausmaß gegeben ist.

Das ist der entscheidende Moment. Deshalb ist offene, ehrliche und konsequente Kommunikation ab sofort notwendig. Nicht nur bei den „normalen“ Patienten, sondern vor allem bei den besonders vulnerablen Menschen und jenen, die den höchsten Risiken ausgesetzt sind. Die Massenimpfungen sollten auch im niedergelassenen Bereich stattfinden: Exakte Information und funktionierende Logistik sind da zentral.

Es gilt aber auch offene Fragen anzusprechen, um glaubwürdig zu bleiben und keine falschen Illusionen zu erzeugen: Wir wissen noch nicht, ob geimpfte Menschen dennoch Überträger des Virus bleiben können, wir wissen nicht exakt wie lange der Impfstoff immun macht, wir wissen noch zu wenig über Neben- und Wechselwirkungen. Und wir haben noch zu wenige exakte Informationen, wie die weiteren Impfstoffe, die in der Pipeline sind, beispielsweise von Astra Zenica – wirken. Was wir wissen ist, dass die Distribution offensichtlich einfacher ist, die Tiefkühlungsprozesse nicht notwendig sind.

Alles das muss man den Menschen sagen: Mit klaren Worten, nüchtern, sachlich. Nicht nur in Inseraten und Spots, sondern im persönlichen Gespräch, beispielsweise durch Ärzte. Das wiederum heißt: Eine lückenlose Information an die Ärzte, eine einheitliche Sprache in der Beantwortung von Fragen. Und die Mithilfe aller Medien, die aufgefordert werden, auf Übertreibungen und verunsichernde Schlagzeilen – allein um die Auflage zu steigern – zu verzichten.

Die Lage ist ernst – eine dritte und vierte Welle muss möglicherweise noch durchgestanden werden. Für Polemik, Übertreibung und Spekulation bleibt kein Raum.

Das soll die gesamte Zivilgesellschaft praktizieren. Wir Ärzte werden eine dementsprechende Informationskultur an unsere Kollegen aufbauen.

Und wir fordern natürlich, dass diese Gruppe – Mediziner und Pflegepersonal – vorab geschützt wird. Und dass die Ordinationen soweit abgesichert sind, dass die Patienten keine Angst haben müssen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Suzanne Rödler am Januar 11, 2021 um 5:07 pm

    Wann können die niedergelassenen Ärzte für Ihre Risikopatienten mit Impfstiff rechnen und wie erfolgt die Logistik ?

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