Die Geschützten noch besser schützen. Dritt-Impfung kommunizieren statt Impfunwillige umwerben.

Wir sollten, um ältere und vulnerable Menschen zu schützen, möglichst rasch und koordiniert die Dritt-Impfung durchziehen. Die Regierung sollte sich eingestehen, dass die knapp 15 Prozent nahezu fanatischen Impfgegner und jene, die die Auctoritas des Staates grundsätzlich ablehnen, nicht bis kaum zu erreichen und zu überzeugen sind. Allenfalls kann man – durch sanfte Zwangs -und Lockmaßnahmen – diejenigen 13 bis 14 Prozent überzeugen, die impfskeptisch sind: weil sie generell Angst vor Impfungen haben, auf andere Impfstoffe warten (oder es vorgeben zu tun ). Dann wäre wenigstens ein Teilerfolg erzielt.

Das Burgenland -immer schon unkonventionell mit seine Maßnahmen-ist am besten Weg bis zum Martinstag die angestrebte 80 Prozent Quote zu erreichen. Dann wird ein Auto verlost. Warum nicht?

Wir haben noch zu wenige valide Daten wie lange die Wirkung von Impfstoffen wie Moderna oder Biontec anhält. Offensichtlich hängt das mit dem allgemeinen gesundheitlichen Befinden von Patienten zusammen. Und sicher auch mit deren genetischen Anlagen und Prädispositionen. Deshalb: möglichst rasch wieder auffrischen. Nach sechs Monaten. Wir wissen, dass Antikörpertests wenig aussagekräftig sind, da die Spiegel zu wenig mit dem Schutz vor Infektion zusammenhängen-das Impfkorrelat fehlt. Sie sind daher keinesfalls ein Parameter zur Festlegung des Drittimpftermins.

Die Reihenfolge scheint ohnehin vorgegeben: zunächst die Pflegeheimbewohner, dann die alten und älteren, die Menschen mit Vorerkrankungen, die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und im Schulwesen. Mehr als 80 Prozent der Lehrer, in manchen Ländern fast neunzig Prozent, sind geimpft.

Das dritte wesentliche Anliegen heißt: Schützen, also Impfen der Kinder. Ziel sollte sein möglichst 80 bis 90 Prozent der Schulkinder von 12 bis 14 Jahren zu impfen. Elternaufklärung ist das Stichwort. Lehrer sollten Überzeugungshilfe leisten. Auch im eigenen Interesse.

Das vierte ist Aufklärung gegenüber Unternehmen und Betriebsräten.  Sie sollen ihre Mitarbeiter und Kollegen animieren, sich impfen zu lassen, statt sich drei Mal in der Wochen testen zu lassen. Ich hätte auch nichts gegen Impfprämien, die steuerlich absetzbar sind.

Vielleicht erteilt die EMA bald auch eine Freigabe der Impfung ab sechs Jahren. Dann könnte man auch die wahrscheinlich am stärksten gefährdete Gruppe erreichen, die die meisten Sozialkontakte aufweist- in den Schulklassen, mit den Freuden und Verwandten.

So können wir das Gesundheitssystem am besten entlasten. Es droht die Überlastung der Intensivstationen, vor allem in den Bundesländern. Man darf auch nicht vergessen, dass in den Wintersportländern zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden – wir wissen, dass zahlreiche Ski-oder Rodelunfälle schwer verlaufen können und Intensivbehandlungen erforderlich sind. Und wir wissen, dass eine Grippewelle kommen wird – auch dafür müssen vorsichtshalber Reserven aufgestellt werden. Es ist nicht nur Corona allein, das im Winter die Intensivbetten beansprucht.

Ein Nachsatz noch: ich versteh es nicht, warum gerade Hochleistungssportler, die Idole für viele Menschen sind, öffentlich ihre Impfambivalenz mitteilen. Sie könnten, wenn sie schon impfskeptisch sind, wenigsten leise sein.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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