Die Gesundheitsökonomen spüren Morgenluft.

Nein zu möglichen Einsparungen im Gesundheitssystem.

Durch E-Medizin sollen dem österreichischen Gesundheitssystem 3,4 Milliarden Euro erspart werden. Das klingt auf den ersten Blick optimistisch und gut, entpuppt sich aber als neuerlicher Versuch von Gesundheitsökonomen, an Mitarbeitern und hochqualifiziertem Personal zu sparen.

Mit Apps und Telemedizin will man den Hausarzt mehr oder weniger ersetzen. Nun hat sich zwar während der Pandemie erwiesen, dass Telemedizin eine hervorragende Ergänzungslösung ist, deshalb kann der persönliche Kontakt zwischen Patienten und Arzt aber nicht reduziert werden. Wir haben nach wie vor zu wenig Hausärzte, zu wenig Krankenhausmediziner, es fehlt auch – nach der Krise – an qualifiziertem Pflege-Personal.

Wenn jetzt schon wieder von Einsparen die Rede ist, müssen die Sirenen heulen. Ja, zur Telemedizin, aber nein, zu Einsparungen im Gesundheitssystem. Ja zu Apps, die dem Arzt die tägliche Arbeit erleichtern, aber nein zum Ersatz des persönlichen Patientenkontaktes durch Telemedizin.

Die Ausgaben für Gesundheit sind in den vergangenen Jahren kaum gestiegen, Einsparungen wurden vorwiegend beim Personal getätigt, was sich nun mehr rächt. Wir müssen alles tun, um Mediziner, die in Österreich ihr Studium absolvieren im Land zu halten. Und wir brauchen hunderte niedergelassene Ärzte vor allem im ländlichen Bereich.

Die Pandemie hat aufgezeigt, dass ein System, das funktionieren soll, auf Redundanzen aufgebaut werden muss. Krankheiten, Epidemien, oder Krankheitsverläufe sind nicht planbar. Was notwendig ist, ist eine technische Aufrüstung der Krankenhäuser und Praxen, mit staatlicher Unterstützung, und was zudem notwendig ist, ist die Investition in die Ausbildung von Pflegekräften.

Wir werden bis 2030 70.000 zusätzliche Pflegekräfte brauchen, die wir nicht haben, und in dieser Geschwindigkeit auch nicht ausbilden können. Deshalb: Ja, zu mehr Technologie in der Medizin, ja  zu umfassenden E-Health-Apps, die ohnehin von Google, Apple  und Co. bereits angeboten werden, aber nein, zu obskuren Einsparungsplänen im Gesundheitssystem.

Wir müssen für mehr Stabilität sorgen, sonst bricht langfristig das System zusammen und die Zweiklassengesellschaft in der medizinischen Versorgung wird zur beinharten Realität.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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