Die Jungen schützen. Zum Impfen animieren. Den Wettlauf gegen Covid-19 müssen wir gewinnen.

Eine erschreckend hohe Anzahl der unter 30-Jährigen hat bislang noch keine Anti-Covid-Impfung bekommen. Deshalb heißt das Motto: Impfen, impfen, impfen, wo und wie es auch überall geht. Und heißt massiv Überzeugungsarbeit leisten.

Es ist uns, und das zeigen die Inzidenzraten, relativ gut gelungen, die ältere Bevölkerung vor den Folgen vor Covid zu schützen. Die Durchimpfungsquote bei den über 60-Jährigen ist mehr als zufriedenstellend. Die Lücken sind dort, wo die Impfbotschaft bislang nicht angekommen ist: Bei den Jungen, bei den wenig Gebildeten und bei den sogenannten Corona-Skeptikern oder Leugnern.

Es wäre illusorisch zu glauben, die gesamte Bevölkerung von der Notwendigkeit des Impfens überzeugen zu können. Aber es scheint geboten, die Impfangebote so zu strukturieren, dass sie niedrigschwellig angenommen werden können. Ich halte nichts von Geldprämien und anderen Give-aways, ich halte sehr viel von Aufklärung und davon, dorthin zu gehen, wo die Menschen sind.

Wir müssen lernen die Menschen dort abzuholen, wo sie sich bewegen und sie dort auch zu impfen.Vor allem die Jungen. Sie wurden von den Lockdown Maßnahmen am staksten betrofffen und mussten lange sich zurückhalten. Ihren Missmut und ihren Zorn muss man verstehen.  Derzeit sind die Regelungen – 3G beispielsweise  -für junge Menschen eine Benachteiligung . Wenn jemand noch kein Impfangebot bekommen hat, kann er auch nicht geimpft sein. Und pcr- Test sind nicht überall so einfach zu bekommen wie in Wien.

 Diese Situation scheint sich nun mehr zu ändern, allerdings bin ich skeptisch od des Distributions-Knowhows.In Oberösterreich fängt man mit den Gurgel-Test an, in anderen Bundesländern gibt es keine adäquaten kostenlosen Angebote.

Man hat verabsäumt rechtzeitig die impfwilligen niedergelassenen Ärzte eng einzubinden, es wurde zu sehr auf zentrale Impfstraßen gesetzt. Nun müssen wir deutlich mehr in die Fläche gehen. Wir müssen auch mehr testen, um aufpoppende Cluster zu isolieren, Infektionsketten nachzuverfolgen und rechtzeitig zu intervenieren.

Ich habe zudem den Eindruck, dass man kaum oder schlampig kontrolliert- vo allem in der Gastronomie. Vielleicht auch bei großen Events. Oder bei Massenauflagen wie Matura-Resien. etc. Dabei ist gerade das notwendig. Testen, Kontrollieren, Impfen.

Diese  Strategien sind überlebensnotwendig. Denn es scheint, als ob sich der Covid-19-Delta-Virus ungebremst ausbreiten wird. Das einzige wirksame Mittel dagegen ist eine doppelte Impfung, und exzellente Tracing-Verfahren. Wir haben einen harten Sommer vor uns, und wir reagieren zwiespältig. Einerseits grenzen- und schrankenlose Öffnungen, andererseits Warnungen. Wer zu liberal ist, dessen Warnungen werden überhört.

Wir müssen nicht unbedingt Großveranstaltungen durchführen, es besteht auch keine Notwendigkeit, der Werbewirtschaft zu folgen und große Sportereignisse derart massiv auszuwälzen. Das rächt sich. In drei bis vier Wochen, wenn die ersten Urlauber zurück sind, werden wir mehr wissen. Ich hoffe es ist nicht zu spät. Und 50 Tage vor Schulbeginn wissen wir noch nicht einmal, wie wir die 12- bis 15-Jährigen impfen werden. Von den Unis will ich gar nicht reden : Offensichtlich ist ein aktives Studentenleben gar nicht erwünscht.

Ob dann ein Regelbetrieb  an  Schulen ab September  und später an Hochschulen möglich ist, ist offen. Wir müssen uns nur umblicken. Die Ansteckungsraten steigen überall – teilweise beängstigend. In Israel gibt es wieder durchschnittlich 1.000 Neuinfektionen pro Tag trotz 60prozentiger Durchimpfungsquote .  In Uk ist es noch dramatsicher.Jetzt wird wieder geimpft. Wir müssen uns an diesen Rhythmus gewöhnen. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen werden zur Routine.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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