Die Situation ist wieder ernst!

Laissez faire mit Corona rächt sich.

In vielen Staaten Europas werden wieder Lockdowns angeordnet, andere Länder führen Maskenpflicht wieder ein, Reisewarnungen werden verschärft. Die ersten Urlaubsrückkehrer nach Österreich haben bereits das Virus eingeschleppt. Step by Step warnt auch die Regierung vor gedankenlosem und undiszipliniertem Umgang. Es herrscht höchste Alarmstufe. Laissez faire ist absolut unangebracht.

Die allzu freizügigen Grenzöffnungen und die Werbung der Touristiker scheinen sich zu rächen. Kroatien steht vor der Grenzsperrung für Österreich, bei uns selbst kommt es regelmäßig zu regionalen Hotspots. Superspreader sind immer noch unterwegs.

Dass die Abstandsregeln so gering beachtet werden, liegt an einem kollektiven Verdrängen und Nichternstnehmen.

Selbst die Boulevardmedien, die noch vor Wochen Lockerungen erfordert haben, halten sich zurück und alarmieren, so ist man geneigt zu konstatieren, in die Gegenrichtung. Sicherlich übertrieben stark. Das beunruhigt.

Der Sommer ist noch lang. Und der Höhepunkt der Reisewelle noch nicht gekommen. Es heißt mehrfach vorsichtig zu sein: Unbedingt Abstand halten, unbedingt Hygienemassnahmen intensivieren. Und vor allem: Masken im Innenraum tragen. Sozialkontakte so gut wie möglich einschränken.

Es schadet auch nicht – im Gegenteil es wird angeraten – die Corona-App zu installieren. Sie wirkt aber nur dann, wenn genügend viele Menschen sie am Handy haben. Deutschland ist – mit aktiver Unterstützung der Regierung – auf diesem Gebiet vorsichtig.

Meines Erachtens wäre es auch geboten, die Teilnehmerzahl bei Sport- und anderen Open Air Events wieder zu reduzieren. Dass in Spielberg nichts passiert ist, war einerseits Glück, andererseits die Folge von extremen Sicherheitsmaßnahmen. Das aber kann sich kaum ein anderer Veranstalter leisten. Bester Beweis: Die zahlreichen Corona-Positiv-Tests bei den österreichischen Fußballvereinen.

Um einen radikalen Lockdown zu verhindern, heißt es einige Lockerungen zurückzunehmen, die nicht besonders wehtun. Und Maskenpflicht zu verordnen.

Und es gilt, sich für den Herbst vorzubereiten: Wenn die Schulen öffnen, die Arbeitsnormalität zurückkehrt und gleichzeitig die ersten Grippe- und Erkältungsfälle auftauchen. Jetzt die Brandbeschleuniger zu dämmen, ist das Gebot.

Und weiterhin gilt: Das Gesundheitssystem und die handelnden Personen möglichst schützen. Im heutigen Sommer ist die Zahl der Freizeit- und Sportunfälle bereits gestiegen. Das bedeutet akute Mehrbelastung und Stress. Wir brauchen aber gesunde, ausgeruhte Mitarbeiter in der Versorgung. Sonst wird es eng ab September.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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