Die totale Überforderung der Ambulanzen droht! Gefährdet die Gesundheitskasse die Gesundheitsversorgung?

Der derzeitige Generaldirektor der Gesundheitskasse will noch mehr Patienten in die Ambulanzen schicken und meint, sie seien ohnehin nicht ausgelastet. Offensichtlich musste er noch nie ambulant versorgt werden, denn seine Argumentation klingt zwar verlockend, ist aber grundlegend falsch. Schon jetzt fehlt es in den Krankenhäusern an allen Ecken und Enden an Personal: Ärzte und Pflegekräfte.

Wenn der Gesundheitskassenchef meint, er könne das Personal einfach aus dem Hut ziehen oder irgendwo abengagieren, kennt er den europäischen Gesundheitsmarkt nicht. Noch dazu angesichts der Tatsache, dass die Gehälter in Österreich bei weitem nicht an jene in Deutschland, in der Schweiz oder in UK heranreichen. Ganz zu schweige von der Entlohnung der Pflegekräfte.

Der Vorschlag ist eine Generalattacke gegen die niedergelassenen Ärzte und Zynismus gegen die Krankenhausärzte. Damit wird nicht nur das Prinzip der Erstversorgung durch den Hausarzt unterminiert, damit werden die Finanzflüsse noch undurchsichtiger als sie heute schon sind. Maximal kommt es zu einer Entlastung der Betreiber, im Wesentlichen der Bundesländer und großen Kommunen. Im Endeffekt ist es eine Verteuerung des Systems. Und ein kaum verhohlener Angriff auf die Autonomie der Ärzteschaft als freie Berufe.

Wir wissen aus der Geschichte, dass sogenannten Polyambulanzen oder Polykliniken nicht funktioniert haben: weder in der diktatorischen DDR noch im heutigen UK. Die Konsequenzen sind: Rationierung, endloslange Wartelisten, aufgeblähte Bürokratie. Und das Ende der freien Arztwahl. Der Patient ist dem System ausgeliefert.

Eines der wichtigsten Momente eines funktionierenden Gesundheitssystems ist das Vertrauen zum Arzt. Und die Zuwendung des Arztes zum Patienten, seine Kenntnis der Vita und Lebensumstände des Patienten.

Das alles wird bei einem prioritären Ambulanzsystem schwer möglich sein. Und die Argumentation: „die meisten Menschen gehen eh gleich in die Ambulanz, bevor sie zum niedergelassenen Arzt gehen, „stimmt einfach nicht.

Das stimmt nur dann, wenn man das System so zurechtzimmert, dass der Patient gar keine andere Möglichkeit hat, weil es zu wenig niedergelassene Kassenärzte gibt.

Das heißt: Noch stärkere Privatisierung und noch ausgeprägtere Zweiklassenmedizin als jetzt schon.

Das wollen weder die verantwortungsvollen Ärzte noch die Patienten. Denn alle Umfragen bestätigen: die meisten wollen ihren Hausarzt und die wohnortnahe Versorgung.

Zündeln ist fehl am Platz.

Posted in

Hinterlassen Sie einen Kommentar