Die verdrängte Massenerkrankung: Demenz.139 Millionen Demenzkranke bis zum Jahre 2030.

Angesichts der Dominanz der Corona-Diskussion gehen viele andere medizinische Probleme, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen, nahezu unter. Alarmierend ist eine jüngst erschienene Meldung der WHO. Bis zum Jahre 2030 wird sich die Zahl der Demenzkranken von derzeit 55 Millionen auf 139 Millionen erhöhen.

Allein in Österreich rechnet man bis dahin mit  230.000 bis 250.000 Demenzkranken, bei steigender Tendenz aufgrund der ebenfalls steigenden Lebenserwartung. Gegen Demenz gibt es bislang kein wirksames Medikament, man kann die Krankheit aber  hinausschieben und verzögern,, mit gesundem Lebensstil, Bildung ,Gedächtnisübungen und vielen Sozialkontakten.

Demenz wird die Volkskrankheit Nr. 1 sein, und sie wird nicht nur die Erkrankten betreffen, sondern vor allem die Angehörigen, die Pflegenden und die Pflegeinstitutionen. Es fehlen in Österreich entsprechende Einrichtungen sowohl tagesklinischer als auch  stationär pflegerischer Natur, um alle Demenzkranken korrekt zu betreuen.

Die sozialen Folgen und die gesellschaftlichen Auswirkungen sind noch gar nicht abzuschätzen. Österreich hat noch immer keinen Demenzplan, der sich rasch realisieren ließe, viele Institutionen sind überfordert. Wie geht man mit Demenzkranken beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln um, wie begegnet man ihnen auf der Straße, und woran erkennt man die ersten Zeichen von Demenz?

In der Praxis ist es so, dass viele Menschen, auch mangels an engen Sozialkontakten, die Krankheit  jahrelang verstecken, bis sie sichtbar wird. Die Forschung kommt seit Jahren kaum weiter, auch gegen Alzheimer gibt es noch keine wirksamen Medikamente.

 Wiederum ergibt sich die Problematik, dass in Österreich tausende Pflegekräfte fehlen. Das wird noch eine große Herausforderung werden.

Nichts destotrotz: Corona-Bekämpfung hat derzeit Vorrang, die nächste Welle ist schon da, der Schulbeginn wird zu einem weiteren Ansteigen der Infektionen führen, die Kapazitäten der Krankenhäuser sind endlich. Gesundheit ist ein komplexes System. Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbekämpfung sind die Kernaufgaben der Wohlfahrtsgesellschaft.

Wir müssen mehr investieren, mehr finanzielle und ideelle Wertschätzung für diejenigen aufbringen, die sich im Dienste der Gesundheit aufopfern.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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