Don’t Look Up – in Österreich Realität

Weltweit genießt die dystopische Komödie Don’t Look Up gerade größte Beliebtheit. In 94 Ländern schaffte es der starbesetzte Hollywood-Streifen unter die Top Ten der meistgesehenen Filme des entsprechenden Streaminganbieters. Die ganze Welt ist von der Idee des Films fasziniert und fragt sich, ob ein derartiges Szenario wirklich möglich sein könnte. Ist es tatsächlich denkbar, dass ein Großteil der Menschheit so lange die Wissenschaft ignoriert, bis sie sehenden Auges in eine Katastrophe steuert?


Wir in Österreich sind bereits einen Schritt weiter. Im selben Zeitraum, in dem Don’t Look Up die Charts stürmte, durften aufmerksame Zuseher bereits ein österreichisches Remake davon bestaunen. Nur diesmal in der Realität…

Was ist passiert?

Knapp 200 Ärzte, also 0,4 Prozent aller österreichischen Ärztinnen und Ärzte, meldeten sich Mitte Dezember in einem offenen Brief zu Wort. Diese (eigentlich vernachlässigbare) Minderheit stellt darin unzählige wissenschaftsfeindliche Behauptungen auf. Medizinische Studien werden von ihnen missbraucht, indem sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen und verzerrt dargestellt werden. Schließlich legen diese selbsternannten Experten nahe, dass Corona harmlos und die Impfung wirkungslos sei.

Dieser wissenschaftlichen Entgleisung einer nicht-fachlichen Randgruppe wurde medial derart viel Aufmerksamkeit geschenkt, dass plötzlich von allen Seiten Vorwürfe auf medizinische Verantwortliche – nicht zuletzt auch auf meine Person – einprasselten. Ich persönlich musste mich unzählige Male dafür rechtfertigen, der Wissenschaft zu vertrauen, wurde aufgefordert zurückzutreten und bekam viele weitere Anfeindungen zu spüren. Die gesamte Situation wurde medial ausgeschlachtet. Positiv erwähnen möchte ich Artikel im Standard und der Kleinen Zeitung, sowie einen Radiobeitrag auf 88,6, die auf den an mich gerichteten Brief angemessen reagiert und Fehlinformationen aufgezeigt haben.  

Die Antwort

Keine zwei Wochen später folgte eine wissenschaftliche Antwort auf diese haltlosen Behauptungen. Tatsächliche Experten auf dem Gebiet der Virologie widerlegten sämtliche Behauptungen und veröffentlichten diese auch umgehend als Reaktion auf den offenen Brief. Auf eine angemessene mediale Reaktion warte ich bis heute vergebens. Man muss schon über ausgeprägte Recherchefähigkeiten verfügen, um dieses Antwortschreiben im medialen Dickicht der Halbwahrheiten ausfindig zu machen.


In Anbetracht der Satire von Don’t Look Up sollten sich also auch manche österreichischen Journalisten hinterfragen. Zu viele haben einer kleinen, unwissenschaftlich agierenden Minderheit, die sämtlichen Experten und letzten Endes dem gesamten Land ihre unqualifizierte Meinung diktieren will, eine Bühne geboten. Einige österreichische Medien ließen eine Randgruppe so wirken, als wäre sie die Mehrheit. Solange manchen das Haschen nach der nächsten reißerischen Headline wichtiger ist als der tatsächliche wissenschaftliche Diskurs – als die Wahrheit – wird die Spaltung der Bevölkerung unentwegt fortschreiten.

Direkt an manche österreichischen Herausgeber und Chefredakteure gerichtet: Wenn ihr schon über die Meinung eines unbedeutenden Bruchteils berichtet, dann sollte eure journalistische Ethik euch wenigstens dazu anhalten, der wissenschaftlichen Wahrheit zumindest genauso viel Platz in eurer Berichterstattung einzuräumen. Die Alternative dazu kann man nach wie vor auf Netflix bewundern, der Film dauert ganze 138 Minuten. Vielleicht sollten einige Medienmacher doch auch einmal nach oben sehen.

Die Fakten

Um der Wissenschaft zumindest auf dieser Seite Genüge zu tun, folgt im Anschluss an diesen Text die ausführliche Richtigstellung der Vorwürfe vom 27. Dezember 2021, durch die notwendigen Fußnoten im PDF-Reader und zum Download.
Erstellt von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der ÖÄK in Zusammenarbeit mit:
-Prof. Markus Zeitlinger, Leiter der Univ.-Klinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, Mitglied der AG Sicherheit des Nationalen Impfgremiums und Mitglied des COVID-19 Therapieboards des Obersten Sanitätsrats,
-Dr. Monika Redlberger-Fritz, Zentrum für Virologie der MedUni Wien und Mitglied des Nationalen Impfgremiums,
-Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des ÖÄK-Impfreferates

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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