Aufruf zur Drittimpfung in Ordinationen

Heute melde ich mich mit einem Aufruf, der klarer nicht sein könnte:

Holt euch die dritte Impfung!

Warum?

Die Datenlage ist klar und für alle ersichtlich. Die Drittimpfung schützt zu 88 Prozent vor schweren Verläufen und Hospitalisierungen – das zeigt unter anderem die neueste Studie der britischen Gesundheitsbehörde Health Security Agency (UKHSA). Die Art des Impfstoffes ist dabei egal, es schützen alle bei uns zugelassenen Impfstoffe gleichermaßen und was am wichtigsten ist: Dieser Schutz vor schwerer Krankheit besteht auch vor der Omikron-Variante.
Leider ebenfalls klar ist, dass der Immunschutz der zweiten Impfung zunehmend an Wirkung verliert. Spätestens vier Monate nach dem zweiten Stich lässt die Wirkung stark nach.
Die einzig sinnvolle Lösung kann daher nur der Boostershot sein.

Wann?

Die Auffrischung muss möglichst bald passieren. Bereits jetzt sind etwa 900.000 doppelt geimpfte Österreicher ohne aktiven Schutz gegen das Virus. Es laufen mit 1. Februar nicht nur alle Impfzertifikate ab, die älter als sechs Monate sind, die Betroffenen sind einer Ansteckung auch teils ohne Schutz ausgeliefert.

Wo?

An dieser Stelle sind die Bundesregierung und die Bundesländer gefragt.
Wir brauchen JETZT österreichweite Kampagnen für die Boosterimpfung in Ordinationen. Bis heute wurde nie deutlich kommuniziert, dass nicht nur Impfstraßen für die gesamte Bevölkerung offenstehen, sondern eben auch niedergelassene Ärzte. Das Vertrauen der Menschen in den eigenen Hausarzt ist bedeutend höher als in eine Impfstraße mitten in einer Halle oder einem Einkaufszentrum. Durch ein Gespräch mit dem Hausarzt kann man sich über die Impfung informieren, man kann Bedenken ansprechen und sich beraten lassen. Dieses Service vorab kann man in einer Impfstraße nicht erwarten.
Bund und Länder können für eine entsprechende Kampagne für das Impfen in den Ordinationen sorgen. Damit könnte man in kurzer Zeit viele Menschen impfen, was derzeit auch höchst sinnvoll und notwendig ist angesichts der Omikron Variante.

Alternativen?

Es gibt keine seriösen Alternativen zur Drittimpfung. Entscheidungsträger in den USA setzen aktuell auf Durchseuchung und bekommen prompt die Rechnung dafür präsentiert. Hier mussten während der gesamten Pandemie noch nie so viele Menschen hospitalisiert werden wie aktuell. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) melden alarmierende Zahlen und sprechen von einem Anstieg des Sieben-Tages-Schnitts von 54 % innerhalb einer Woche. Auch wenn es so scheint, als sei die Omikron-Variante nicht so gefährlich, zeigt das ganz deutlich, dass sie kein Schnupfen ist, sondern nach wie vor eine schwerwiegende Krankheit.

Fazit

Die Impfung schützt! Lassen Sie sich nicht von unwissenschaftlich agierenden Populisten verunsichern. Ein Schutz von 88 % ist deutlich besser als ein Schutz von 0 %. Die Fakten sprechen für sich.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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