Dunkelrot. Aber nicht schwarz sehen. Wir brauchen Testmöglichkeit, Data Research und Schutz des medizinischen Personals.

Wir werden bald an die 10.000 tägliche Neuinfektionen haben – bevor der Lockdown Auswirkungen zeigt. Die Intensivierung des Contact-Tracing kam eindeutig zu spät – wir sind jetzt bei einer diffusen Distribution. Deshalb geht es vor allem um drei Herausforderungen: Sicherung der medizinischen Kapazität, angesichts stark steigender Hospitalisierungen und Intensivbehandlungen. Data-Analytics und strikte Reduktion der Kontakte. Überall.

Noch ist der Peak nicht erreicht und wir verzeichnen heute schon deutlich mehr Hospitalisierungen als am Höhepunkt der ersten Welle. Wir sind besser vorbereitet: Aber am Ressourcenmangel hat sich nichts geändert. Das Stadium der Überlastung ist bald erreicht. Umso mehr gilt: Ärzte schützen (im Krankenhaus und in den Ordinationen), medizinisches und pflegerisches Personal schützen.

Wir müssen die Bewegungen und Begegnungen zwischen Menschen noch deutlicher reduzieren. Und wir brauchen Teststraßen und Testcontainer-diese werden derzeit von der Stadt Wien aufgebaut und die Container werden dann durch den Ärztefunkdienst betrieben. Dort kann man auch Antigen Schnelltests durchführen, diese helfen, da sie infektiöse Patienten identifizieren können. Es bringt – zumindest im urbanen Raum – nichts, wenn Ärzte in eignen Ordinationen testen. Im Gegenteil: Es besteht in kleinen Ordinationen die Gefahr der Ansteckung anderer Patienten und des Gesundheitspersonals.

Zuhause bleiben. Im Home-Office arbeiten, Besuche radikal einschränken und mehr denn je auch Hygiene, Händewaschen, in geschlossenen Räumen Maske tragen und Abstand halten. Besser eineinhalb Meter als ein Meter. Das gilt vor allem auch in Büros und am Arbeitsplatz. Hier können sich rasch Infektionsherde bilden, und Infekte, die nach Hause getragen werden – wirkungsvolles Containment ist schwer möglich. Die Installation der Stopp Corona App wäre hilfreich.

Warum man bis heute die Möglichkeiten von Big Data nicht nutzt, ist mir unerklärlich. Einerseits zur Systematisierung von möglichen Clusterherden und -strukturen, andererseits zur Repositionierung von Medikamenten. Das wäre essenziell, angesichts der steigenden Anzahl an gravierenden Krankheitsverläufen und der steigenden Notwendigkeit der posttherapeutischen Anwendungen. Man könnte untersuchen, ob bestimmte Medikamente, die routinemäßig eingenommen werden, vor schweren Verläufen schützen, das heißt potentiell auch antivirale Wirkung haben. Dazu wäre eine Vernetzung von Medikationsdaten und Krankengeschichten notwendig-anonym selbstverständlich.

Es wird zumindest einige Monate dauern, bis sichere und effektive Impfstoffe oder wirkungsvolle Medikamente auf dem Markt sind: Gerade deshalb ist es notwendig im Vorfeld diszipliniert zu sein und die drei oder vier Grundregeln zu beachten- Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen, Stopp Corona App installieren.

Und es ist – ich wiederhole mich gerne – absolute Priorität, Ärzte und Gesundheitspersonal zu schützen. Sie können die Krankheit auf Patienten übertragen und bei Ansteckung fällt das Gesundheitspersonal aus, mit allen nachteiligen Folgen für das Gesundheitssystem.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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