Ein Leben mit Corona. Akzeptieren wir diese Tatsache!!! Notwendig sind: Klare Regelungen statt verwirrender Empfehlungen und Verordnungen.

Der Herbst ist da. Die Schulen öffnen. Viele kehren aus dem Home-Office an ihre Arbeitsplätze zurück. Outdoor-Treiben verlagert sich nach indoor. Alles das bedeutet: Das Risiko von Infektionen steigt. Zudem kommt die Zeit des Schnupfens und der Grippe. Wer vernünftig ist, lässt sich jetzt impfen. In Wien noch dazu gratis. Seitens der Regierung werden nunmehr aber klare Richtlinien gefordert, Ampel hin oder her.

Unabhängig von der Ampelfarbe müsste es klare überregionale Verordnungen geben: Maskenpflicht indoor, keine Groß- und Massenveranstaltungen, strikte Regeln für private oder öffentliche Indoor-Veranstaltungen. Und Pönale bei Nichteinhaltung der Maskenpflicht, die erstens exekutiert werden und zweitens ruhig ein wenig wehtun sollten. Dass Discos und andere potenzielle Cluster-Räumlichkeiten geschlossen bleiben müssen, ist ohnehin klar.

Im Sinne des künftigen Handelns aber heißt es: Genügend Impfstoff vorab reservieren und einkaufen. Wie die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ veröffentlichte, hinkt Europa diesbezüglich deutlich hinterher: Die USA haben wesentlich mehr eingekauft, Großbritannien ebenfalls von China und Russland versorgen sich selbst.

Österreich verlässt sich meines Erachtens zu sehr auf die EU. Wir sollten uns zusätzlich  autonom absichern. Der internationale Wettkampf um die Reagenzia – auch um die Injektionsnadeln – hat schon begonnen. Wir sind zwar ein kleines Land – aber wir sollten unsere diplomatischen und wissenschaftlichen Beziehungen nutzen. Geld allein ist zu wenig.

Vor allem aber muss garantiert sein, dass das medizinische Personal optimal geschützt ist. Sie sind die ersten, welche die Schutzimpfung bekommen müssen. Und die Mitarbeiter, im Gesundheitsbereich müssen laufend getestet werden.

Apropos testen: Warum sollten beispielsweise Unternehmen aus Industrie und Gewerbe oder Dienstleister, die viel mit Öffentlichkeit zu tun haben, die freiwillig und regelmäßig ihre Mitarbeiter testen lassen, die Kosten nicht rückerstattet erhalten. Dafür sollte wohl Geld ausreichend vorhanden sein. Zumindest wäre es ein Anreiz zur Prävention.

Deshalb gilt für freiwilliges Plasmaspenden durch Corona-Genesene. Zumindest einen Gutschein könnte man hergeben.

Die Gesundheitskasse hat zuletzt einen vernünftigen Schritt getan: In Niederösterreich gibt es ein eigenes Zentrum zur Behandlung und Posttherapie für Corona-Erkrankte, die sich auf dem Weg der Genesung befinden. Es wird auch psychologische Hilfe angeboten.

Denn eines ist klar: Corona wird – in welchem Ausmaß wissen wir nicht – mittelfristige und langfristige psychische und physische Folgen nach sich ziehen. Auch darauf muss das Gesundheitswesen vorbereitet sein. Die Zahl der psychisch traumatisierten Menschen steigt – es wurden auch deutlich mehr Ehen geschieden als bislang – und viele alte Menschen leiden unter der Isolation.

Es bleibt keine Zeit für zögerliches, widersprüchliches Handeln. Die Regierung muss endlich wieder eine klare Linie vorgeben. Im Interesse aller – und wohl auch im Interesse der eigenen Akzeptanz, auf die man so viel wert legt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Dr Michael Dolezal am September 7, 2020 um 4:29 pm

    Im Prinzip gehören 1) die Kriterien zur Einstufung festgelegt und festgeschrieben, 2) zu jedem Level die Maßnahmen festgelegt und festgeschrieben, 3) die Kommission sollte arbeiten wie eine Einsatzleitung im Katastrophenfall.
    Das Ziel muss sein, in einer sich rasch ändernden Situation mit raschem „in Kraft setzen“ der Maßnahmen zu reagieren. a) mit wenigen, „harten“, das heißt belegbaren Kriterien, b) mit wenigen Maßnahmen, die kompromisslos gültig sein müssen, ohne das jedesmal ein „aber, aaber, AAABEER..“ kommt. Und die Kriterien müssen veröffentlicht werden. Diskussionen darüber, wirst eh nicht vermeiden können, aber Diskussionen, ob man das „jetzt, genau jetzt und genau bei uns…waaaaruuuum??“ so machen muss. Irgendwer wird immer eine besondere Ausnahme verlangen. Und in die Kommission Ärzte, Wissenschafter, Sicherheits- und Katastrophenschutz-Leute, ein,zwei Juristen. Und sonst nix.

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