Ein Silberstreifen am Horizont. Impfstoff vor der Zulassung. Prioritäten setzen.

Wie sehr Gesundheit und Ökonomie zusammenhängen, wurde diese Tage emendiert. Nach der Bekanntgabe, dass es einen neuen Impfstoff gegen Covid-19 geben könnte, stiegen die Börsenkurse rasant. Mindestens 500 Milliarden Dollar wurden als Kursgewinne realisiert. Das ist an einem Tag deutlich mehr Gewinn, als die Entwicklung und Produktion des Impfstoffes kostet.

Euphorie ist aber fehl am Platz. Zwar sind die Tests vielversprechend, es wird aber dauern bis das Medikament am Markt ist. Zudem ist die Logistik nicht einfach, da der Impfstoff aufwendig heruntergekühlt werden muss und zudem mindestens anfänglich nur beschränkt einsetzbar ist. Weil die notwendige Menge beispielsweise zu einer Durchimpfungsrate von 60 oder 70 Prozent fehlen.

Man wird also differenzieren müssen. Dabei ist klar: Zuerst muss der Impfstoff beim klinischen und medizinischen Personal angewandt werden, um den Gesundheitsapparat zu schützen. Dann müssten besonders vulnerable Menschen geimpft werden und wahrscheinlich erst am Schluss die Kinder, falls sich bestätigt hat, dass Kinder wirklich sehr selten Überträger des Virus sind.

Ich hoffe, dass sich die Regierung bei der Ausdifferenzierung nach Zielgruppen von Experten – und auch von den Ärzten, die an der Front sind -beraten lässt. Und nicht populistisch agiert. Dank der Einkaufspolitik der EU ist eine bestimmte Ration für Österreich vorgesehen. Man spricht von 6 Millionen Einheiten, die sukzessive verteilt werden. Da zumindest zweimal geimpft werden muss, kann man sich ausrechnen wie viele Personen im Laufe des Jahres 2021 drankommen können.

Wesentlich erscheint mir jetzt schon der psychologische Effekt. Menschen brauchen – gerade in der düsteren, finsteren und depressionsfördernden Winterzeit – eine Perspektive. Ebenso wie die Wirtschaft – und damit der Konsum – eine Perspektive braucht.

Jetzt heißt es vernünftig und mit Bedacht handeln. Vor allem die Lockdown-Maßnahmen  sind rigoroseinzuhalten, auch wenn sie wegen der steigenden Infektionszahlen verlängert und verschärft werden müssen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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