Her mit der Patientenmilliarde! Und: Keine Einsparung bei Arzthonoraren.

Die neue Gesundheitskasse wird Verluste einfahren. Deutliche Verluste, sodass man eine Milliarde einsparen will. Eigentlich hatte man angekündigt, 1 Milliarde zusätzlich für Patienten aufzustellen. Aber alles kommt anders: Nun will man 1 Milliarde, vornehmlich bei Honoraren einsparen. So bitte nicht!

Es sind österreichweit nahezu 100 Kassenstellen im allgemeinmedizinischen Bereich unbesetzt. Ähnlich dramatisch ist der Fehlbestand bei Kinderfachärzten. Und nun will die Gesundheitskasse gerade bei den Arzthonoraren sparen.

Begreifen die Damen und Herren nicht, dass gerade wegen der niedrigen, unbefriedigenden Honorare immer weniger Ärzte Kassenstellen überhaupt anstreben. Und dass es für Allgemeinmediziner immer schwieriger wird, halbwegs adäquat zu überleben, angesichts steigender Nebenkosten, steigenden Administrationsaufwandes und steigender Investitionsnotwendigkeiten.

Will man diesen Berufsstand endgültig killen? Will man vielleicht, wie es vor Jahren schon einmal angedacht war, eigene Erstversorgungszentren begründen, mit selbstverfügten Honoraren, um den Ärzten ihre Autonomie in ihrer Art Salamitaktik zu nehmen?

Jedem Menschen mit Hausverstand ist klar, dass das österreichische Gesundheitssystem deutlich mehr Geld braucht, statt weniger. Die Lebenserwartung steigt weiter, Zivilisationskrankheiten, viele bedingt durch die digitalen Berufe und Hobbies, nehmen zu, neue Medikamente kommen auf den Markt und neue Behandlungsmethoden, die aufwendige technische Investitionen voraussetzen, werden angewandt.

Und alles das soll mit weniger Geld gehen? Ich rede jetzt gar nicht von der Pflege und den dadurch steigenden medizinischen Behandlungskosten. Bekanntlich sind die beiden letzten Lebensjahre medizinisch gesehen die teuersten und therapieaufwendigsten.

Und was ist mit der sogenannten Leistungsharmonisierung? Warum nur bei den Gebietskrankenkassen und nicht bei den anderen Kassen der Länder, der Beamten, der Gemeindebediensteten. Und selbst bei  der SVA.

Einerseits misst man mit unterschiedlichen Maßstäben andererseits will man dort sparen, wo der Großteil der Patienten und der Ärzte und Pfleger betroffen ist: Bei Honoraren und Leistungen.

Der österreichische Gesundheitsmarkt wird heuer erstmals 40 Milliarden Euro Grenzen überschreiten. Man kann sich ausrechnen, was das allein an Steuereinnahmen für den Staat bedeutet: von der Mehrwertsteuer bis zur Lohn- und Einkommenssteuer.

Der Gesundheitsmarkt zählt zu den am verlässlichst wachsenden. Die großen Konzerne haben dies längst erkannt und wollen vom Kuchen naschen. Ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit.

Hingegen wird das öffentliche Gesundheitssystem hinuntergefahren, wurden längst notwendige Investitionen in Krankenhäusern verschoben. Der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben am BIP ist seit 5 Jahren unverändert. Es ist Zeit, mit dem Einsparen aufzuhören.

Sonst revoltieren nicht nur die Ärzte oder wie unlängst die Pflegekräfte, sondern auch die Patienten. Spätestens bei der nächsten Stimmabgabe werden sie ihren Unmut artikulieren.

Die Politik soll aufhören zu reden „Gesundheit sei das Wichtigste und Zugang zur kostenlosen medizinischen Versorgung oberstes Prinzip“. Das sind Lippenbekenntnisse ohne Konsequenzen.

Wir werden weiterhin mit Nachdruck die Patientenmilliarde fordern und adäquate Honorare für Ärzte. Davon rücken wir nicht ab.

Die Solidarität unter Ärzten ist größer als die Politik glaubt.

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