Impfbereitschaft sinkt bedenklich! Mehr Tests, mehr Aufklärung. Impfunwillige sollen für Tests selbst bezahlen.

Am 8. August wurde ein neuer Minusrekord bei Erst- und Zweitimpfungen erzielt. Der Zustrom zu den Impfstationen, Impfbussen und sonstigen Angeboten ist endenwollend. Das stimmt bedenklich. Offensichtlich gibt es einen harten Kern von Impfresistenten. Noch offensichtlicher, aber gibt es einen nicht unbeträchtlichen Teil der Bevölkerung, der noch nicht umfassend mit Corona und den Auswirkungen konfrontiert wurde: Aus Bildungsgründen, aus Sprachgründen, aus sozialer Isolation?

Hier aber gilt es anzusetzen. Man wird Impfresistente kaum davon überzeugen, sich  impfen zu lassen, aber man kann von ihnen verlangen, dass sie sich an gesellschaftliche Regeln halten. Wer sich nicht impfen will, aber beispielsweise ein Gasthaus, ein Konzert oder ein Fußballspiel besuchen will, muss einen aktuellen PCR-Test vorweisen. Für den Test muss der- oder diejenige selbst bezahlen. Zudem sollte man überlegen, die Geltungsfrist für PCR-Tests zu verkürzen, beispielsweise auf 48 Stunden. Denn jeder Test ist nur eine Momentaufnahme.

Viel wichtiger wird es sein, diejenigen zu erreichen, die das Problem Covid-19 und die zahlreichen Mutationen bislang noch nicht in seinem Ausmaß wahrgenommen haben. Viele Menschen informieren sich kaum oder wenig, beherrschen die Sprachen, in denen die Aufklärungsangebote formuliert sind nicht, zudem darf man nicht vergessen, dass es nahezu eine Millionen sekundäre Analphabeten in Österreich gibt.

Immer deutlicher wird, das Impfverweigerung auch etwas mit sozialen Milieus zu tun hat. Dort aber gilt es, die Menschen zu erreichen, und zwar direkt. Dort, wo sie leben, wo sie sich aufhalten, wo es Autoritäten gibt, auf die sie hören.

Ich halte das Angebot der muslimischen Vereinigung für gut, beispielsweise Moscheen als Impforte zur Verfügung zu stellen. Ich bin auch dafür, dass man auf Märkte und andere Versammlungsorte geht, um mobil zu impfen.

Wir müssen auch Medien nutzen, die von den Menschen mit migrantischem Hintergrund mehrheitlich genutzt werden. Und wir müssen das große Potenzial der Hausärzte nutzen, die über das größte Vertrauen ihrer Patienten verfügen.

Auch bei den Hausärzten gibt es mittlerweile viele Kollegen mit migrantischem Hintergrund, welche ihre Muttersprachen beherrschen. Ob es nun um die Impfung für Kinder geht, oder um die Impfung im Familienverbund, ein Ratschlag des behandelnden Hausarztes wird immer noch ernster genommen als jeder noch so gute TV-Spot oder Social Media Spot.

Es ist höchste Zeit, in wenigen Wochen beginnt die Schulzeit, sind alle Reisenden wieder in Österreich, wollen Betriebe ihren normalen Rhythmus wieder aufnehmen. Wenn dies nicht gewährleistet ist, drohen uns unangenehme Szenarien.

Drei Aufgaben gilt es zu bewältigen: Erstimpfer zur Zweitimpfung zu überzeugen, Impfskeptiker für die Impfung zu begeistern und die Tests in großem Ausmaß fortsetzen, insbesondere in Schulen vor allem aber auch in Kindergärten, wie am vergangenen Wochenende die Vertreter der Kinderpädagogen deutlich forderten.

Und man sollte konsequent sein. Wer sich partout nicht impfen lassen will, muss mit Einschränkungen seiner persönlichen Freiheit rechnen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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