Impfbereitschaft steigt.

Digitaler Impfpass sollte intensiver genutzt werden.

Eine jüngst erschienene Untersuchung weist aus, dass die Impfbereitschaft der ÖsterreicherInnen auf knapp 60% gestiegen ist. Das ist auf den ersten Blick erfreulich. Allerdings, so die Autorin der Studie, ist damit nicht gesagt, dass sich die Menschen ein zweites Mal und zur Auffrischung ein drittes Mal impfen wollen. Derzeit haben 25 Prozent der Österreicher eine Erstimpfung erhalten, knapp über 10 Prozent sind immunisiert. Das sind nicht viele.

Die Gefahr besteht, dass viele Menschen die Zweitimpfung ignorieren. Gerade deshalb benötigen wir einen digitalen Impfpass. Es ist notwendig, zum Selbstschutz und zum Schutz anderer, dass man die Erstimpfung ein zweites Mal wiederholt. Und es wird wahrscheinlich Usus werden, sich jedes Jahr gegen Corona zu impfen. Nicht umsonst hat die österreichische Bundesregierung über 40 Millionen Impfdosen bestellt.

Wichtig ist deshalb, die Digitalisierung des Impfpasses zu bewerben-in Zusammenhang mit ELGA und der elektronischen Signatur.So kann man die Impfbestätigung jederzeit ausdrucken und auch am Handy vorzeigen, Schon jetzt kursieren Fälschungen, zudem erlauben die Zugangsbestimmungen derzeit, auch mit nur einer Impfung, (nach 20 Tagen ) etwa Gaststätten zu betreten.

 Österreicher sind Impfmuffel, das weiß man. Deshalb muss intensiv aufgeklärt werden, dass die Zweitimpfung absolut notwendig ist, und es muss eine digitale, fälschungssichere, europaweit gültige Lösung geben.

Auf der E-Card wäre noch Platz genug für Impfeintragungen. Einiges spricht dafür.

 Apropos Digitalisierung. Die Pandemie hat aufgezeigt, wie dringlich die Wissenschaft anonymisierte Daten braucht, um einerseits Prognosen zu erstellen und anderseits professionelles Tracking zu betreiben. Wissenschaft kann ohne genügend Daten nicht arbeiten. Das gilt nicht nur für Corona, das gilt für viele andere Forschungsprojekte, die auf anonymisierte, kryptografierte Daten angewiesen sind.. Das ist die zweite Lehre, die wir aus Corona ziehen sollten.

Daten für die Wissenschaft, Daten für die Forschung, aber auch Daten für akute Behandlungsweisen bei Epidemien und anderen Krankheiten. Die Patienten können beruhigt sein. Persönliche Daten werden nicht hergegeben. Anonymität bleibt bewahrt.

 Aber wenn wir, gerade an der MedUni Wien, in Zukunft Exzellenzforschung betreiben wollen, brauchen wir genügend zuverlässige Daten. Jetzt besteht die Chance, europaweit gültige Systeme zu etablieren.

Wir sollten diese Chance uns nicht entgehen lassen.

 Noch etwas. Es sollte den Menschen klar werden, wie nachlässig es wäre, die Zweitimpfung zu ignorieren. Der Schutz ist erst nach zwei Impfungen wirklich gegeben. Und auch dann heißt es immer noch nicht, dass man nicht andere anstecken kann. Was von der Pandemie bleiben wird ist: Abstand halten, Masken tragen, Hygiene verbessern. Wir sind noch lange nicht aus dem Gefahrenbereich, deshalb sind Vorsichtsmaßnahmen, wie sie in Wien getroffen werden, durchaus am Platz.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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