Impfen. Jetzt! Und möglichst rasch: Impfpflicht einführen.

Die Grippewelle ist da. Und womöglich heftiger denn in den vergangenen Jahren. In Tirol mussten zwei Schulen geschlossen werden. Die überwiegende Mehrzahl der Kinder waren an Grippe erkrankt. Seit Wochen appellieren Ärzte und Experten: Lasst euch impfen. Die Resistenz der ÖsterreicherInnen gegen die Schutzimpfung ist höher als in anderen Ländern.

Erst vor wenigen Tagen haben sich vier Landeshauptleute für eine verpflichtende Impfung gegen Masern und andere gefährliche Infektionskrankheiten ausgesprochen. Die Ärztekammer verlangt dies – nach reiflichen internen Diskussionen – bereits seit einem Jahr. Die Regierungen „Kurz 1“ und die Übergangsregierung stellten sich taub und folgten der Argumentation, dass die Impfpflicht eine Einschränkung der Freiheit des Einzelnen sei.

Das ist nicht nachvollziehbar. Es gibt ein Rauchverbot im öffentlichen Raum, es gibt ein Alkoholverbot für Jugendliche (wenn auch zu wenig scharf exekutiert) und Berufsfahrer. Die Argumentation: Die Gefährdung anderer.

Dasselbe geschieht, wenn Menschen, die nicht gegen Masern geimpft sind, häufig mit anderen zu tun haben: Lehrer, Sozialarbeiter, Pflegekräfte, Busfahrer oder Sicherheitsbedienstete, etc.

Die Impfquote bei Grippe liegt in Österreich unter 40%. Das ist sehr gering. Auch hier sind viele Argumentationen lediglich scheinhaft: man wisse nicht im Vorhinein, welcher Erregervirus für die jeweils kommende Grippewelle verantwortlich sei. Oder man weicht auf die selbsterfüllende Prophezeiung aus: Es gäbe ohnedies zu wenig Impfstoff.

Dass es zu Impfstoffengpässen kommt, liegt in der Natur der Sache und hängt von den niedrigen Impfquoten ab: Bestellt wird jeweils die Menge, die im Vorjahr benötigt wurde.

Der Ansturm auf Grippeimpfungen erfolgt aber immer erst dann, wenn in den Medien die ersten Schlagzeilen – zumeist übertrieben – auftauchen. Das motiviert viele Menschen dazu, sich doch impfen zu lassen. Und sie stürmen die Impfstellen und sind frustriert. Sündenböcke werden gesucht.

Es gibt noch eine zweite Lobby: Diejenigen, die sagen – und sich auf angeblich eigene Erfahrungen berufen – dass die Impfung ohnehin wertlos sei und nicht helfe.

Wir alle sitzen einem fatalen Irrglauben auf: Niemand behauptet, dass eine Impfung gegen Grippe ein 100%iger Persilschein sei. Aber es ist in der Tat eine wirksame Prävention. 100%igen Schutz wird es niemals geben. Das verspricht weder ein seriöser Arzt noch ein Pharmakologe.

Es ist traurig, dass die Tendenz herrscht zuerst einmal aufzuzählen, was alles negativ oder wirkungsarm ist, was mögliche Gefahren mit sich bringt, bevor man die vielen Vorteile und Sicherheitsaspekte betont.

Mit einer negativen Einstellung zur Gesundheit kann man keine gute Gesundheitspolitik machen. Denn eine gute Gesundheitspolitik hat ein vorrangiges Ziel: Menschen so lange und so gut wie möglich die Gesundheit erhalten.

Deshalb: Vorurteile abbauen, Scheuklappen zurückfahren. Und vorsorgen. Impfen ist ein Teil dieser Vorsorge.

 

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