Impfen. Maßnahmen setzen. Man wird über Impfnachweise reden müssen.

Die französische Regierung hat ein Gesetz verabschiedet, wonach Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich verpflichtend geimpft sein müssen. Ein großer Aufstand war die Folge. Das Gesetz wird dennoch durchgesetzt.

Deutschland verschärft die Regeln, Urlaubsländer wurden wieder auf die Risiko- und Warnliste genommen. Spanien-Rückkehrern beispielsweise droht eine Quarantäne. Weltweit gibt es immer mehr Verpflichtungen zu Kontrolle und Impfnachweis. Auch Österreich diskutiert, aber nur vorsichtig. In einigen Bundesländern werde neue Mitarbeiter im Gesundheitsbereich nur dann aufgenommen, wenn sie geimpft sind. In anderen werden geimpfte Bewerber nicht Geimpften gegenüber vorgereiht. Es gibt auch Vorschläge, Gastronomiebesuche-in der Nacht- nur bereits doppelt geimpften zu gestatten.

Zuletzt hat sich die Vorsitzende der Bioethikkommission, in der Regel sehr vorsichtig in ihrer Wortwahl, deutlich für Impfpflicht bei jenen Menschen ausgesprochen, die im Gesundheits-, Pflegedienst oder in anderen Berufen der amtlichen Öffentlichkeit arbeiten. Das ist mutig und beachtlich.

Der Präsident der Weltärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, spricht sich ebenfalls für Impfnachweise aus. Es geht nicht mehr darum, Menschen zu bestrafen oder zu disziplinieren, sondern zur Kenntnis zu nehmen, dass uns die Pandemie noch jahrelang verfolgen wird. Das Virus wird noch ein paar Mal mutieren, die Impfindustrie wird gezwungen sein jeweils neue Wirkstoffe zu entwickeln oder zu adaptieren. Impfen wird zum Ritual werden, um zu überleben.

Ein Fortschritt immerhin ist, dass Pcr-Tests und verstärkt auch Impfungen von niedergelassenen Ärzte vorgenommen werden. Die dritte Auffrischungsimpfung soll nach den Vorstellungen des Gesundheitsministers ausschließlich durch  niedergelassene Ärzte erfolgen. Was noch zu klären ist, ist Versorgung mit Impfstoff. Und Drittimpfungen werden notwendig sein.

Das sollte uns ebenso klar sein, wie die Notwendigkeit des permanenten oder zumindest regelmäßigen Testens. Ich meine damit PCR-Tests.

Und noch ein Drittes muss uns einsichtig sein. Wir brauchen eine Lockerung des Datenschutzgesetzes, denn nur durch die Verknüpfung von unterschiedlichen Gesundheits- und Krankendaten lässt sich der Verbreitungsweg des Virus exakt überprüfen. Ein Beispiel: das Wissenschafts- und Bildungsministerium fordert vom Gesundheitsministerium Daten, welche Lehrer geimpft sind und welche nicht.

Man will damit nicht sanktionieren, sondern lediglich einen Überblick gewinnen, an welchen Schulen es wann potenzielle Spreading-Zentren geben könnte. Bislang hat das Gesundheitsministerium die Daten nicht geliefert. In wenigen Wochen ist Schulbeginn und man wird alles dafür tun, um den Regelunterricht zu gewährleisten.

Ob es möglich ist, hängt wiederum vom Impfen und vom Tracen ab. Beides liegt derzeit im Suboptimalen. Eine erschreckend hohe Zahl von Jugendlichen ist nicht geimpft und, glaubt man den Befragungen, trägt auch Impfskepsis in sich. Man wird sich also etwas überlegen müssen. Denn das Wohl des Ganzen ist immer noch wichtiger als die Freiheit der Einzelnen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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