Innovationsmotor Gesundheitswesen.

Corona beflügelt Innovationen im Humanbereich.

Fieberhaft wird derzeit an einem Impfstoff gegen Corona gearbeitet. Selbst das Robert Koch Institut in Deutschland ist optimistisch, dass wir im ersten Quartal 2021 bereits mit einem sicheren und wirksamen Impfstoff rechnen können. Die Frage ist aber: Wird es genügend geben? Und wer ist zuerst dran? Klar ist: Das Gesundheitspersonal hat höchste Priorität. Und Österreich wäre gut beraten, sich jetzt bereits Optionen für etwaige Impfstoffe zu besorgen. Sonst taumeln wir in die nächste Versorgungskrise.

Das Beratungsinstitut Accenture hat in einer aktuellen Studie aufgezeigt welche positive Auswirkungen die Pandemie auf Wissenschaft und Forschung hat: zum Beispiel auf die Entwicklung von neuen Robotiksystemen, die in der Pflege, Hygiene (Desinfektion von großen Räumen) oder im Monitoring von Patienten eingesetzt werden.

Dasselbe gilt für Big Data und das Repositioning von Medikamenten, ebenfalls für den Einsatz für Corona-Erkrankte.

Ein großer Teil des Workflows ist im nachhaltigen Umbruch: Kürzere Lieferketten, Einsatz von Home-Office und Home-Teaching.

In der E-Medizin tun sich neue Dimensionen auf: Monitoring-Systeme für ältere Menschen, die Zuhause und nicht im Altersheim wohnen, Integration von intelligenten Chips in Textilien, etc.

Das bedeutet: Gesundheitsversorgung ist einer der wenigen Wachstumsmärkte, die stabil und nachhaltig sind und zudem eine Reihe von Innovationen auslösen, die Mehrwert für die Gesellschaft bringen.

Gerade aus diesem Grund müssen die Budgets für Gesundheitsversorgung erhöht werden, muss zumindest doppelt so viel in Grundlagen- und angewandte Forschung investiert werden, müssen die Krankenhäuser und Kliniken auch IT-technisch auf den letzten Stand gebracht werden.

Und es wäre auch an der Zeit, dass die öffentliche Hand den niedergelassenen Ärzten unter die Arme greift: Finanzierung des Upgradings von Ordinationen, Zurverfügungstellung eines absolut sicher verschlüsselten Kommunikationssystems, das weit über ELGA hinausgeht und Prämien für die Ausbildung von Mitarbeitern. Gerade niedergelassene Ärzte sind zumeist im Alter von 35 Jahren und darüber, wenn sie ihre Praxis eröffnen oder eine übernehmen. Bis dahin konnten die meisten kaum etwas ansparen oder Rücklagen für Investitionen bilden.

Es darf in Zukunft auch nicht mehr so sein, dass das medizinische Personal an Universitätskliniken in der Freizeit forschen muss, weil der Alltag (Medizin, Lehre) zu viel Zeit kostet.

Accenture verlangt in seiner Studie ein radikales Umdenken und eine neue Wertschöpfungstechnik.

Wenn Corona dazu beigetragen hat, dann ist das etwas Gutes. Vor allem ab dem Zeitpunkt da es wirksamen Impfstoff gibt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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