Ist die Delta Mutation eine Gefahr?

Wenn nicht rasch geimpft wird, ja!

In Großbritannien wurden die weiteren Lockerungsschritte verschoben – zumindest für einen Monat. Die exponentielle Steigerung der Erkrankungen am Covid-Virus Mutation Delta macht diesen Schritt notwendig. Krankenhäuser und Intensivstationen sind bereits nahe der Auslastung, sodass der einzige Ausweg lautet: Impfgeschwindigkeit nochmals erhöhen.

Studien sagen aus, dass ein wirklicher Schutz gegen die Mutation Delta nur dann gewährleistet sei, wenn beide Impfungen absolviert seien. Deshalb drängt der britische Premier auf Impftempoerhöhung. Kann das auch bei uns passieren? Derzeit fehlen noch aussagekräftige Daten. Offensichtlich scheint die Variante in Österreich noch nicht in voller Breite angekommen zu sein.

Allerdings scheint es Brandherde zu geben. Wichtig ist nun, dass man nicht nur konsequentes Tracing umsetzt, sondern das Impftempo nochmals erhöht und frische Impfmengen bestellt. Denn nach wie vor gibt es einen Gap zwischen Impfwilligen und vorhandenen Impfsubstanzen. Ein neuer Wettlauf beginnt, allerdings bei wesentlich besseren Voraussetzungen als noch um die Jahreswende oder zum Höhepunkt der 3. Welle.

Deshalb ist es so wichtig diesen Sommer zu nutzen, vorsichtig zu lockern, die Grundregeln zu beachten und zumindest in Innenräumen den Maskenschutz aufrecht zu erhalten. Es geht um Zweitgeimpfte und um die Impfung von besonders gefährdeten jungen Menschen. Maximal 20% der 20- bis 35-Jährigen sind bislang voll  geimpft.

Zum Thema Impfen und Kinder gibt es noch Meinungsunterschiede. Die Empfehlung der EU ist klar: Jugendliche ab 12 Jahren können mit Biontech/Pfizer bzw. Moderna geimpft werden. Es obliegt der Verantwortung jedes Einzelnen und jedes einzelnen Erziehungsberechtigten, vorzusorgen. Die Öffentlichkeit, inklusive Politik, Ärzte, Fachleute können nur empfehlen. Die Entscheidung muss der Einzelne treffen.

Das Ziel muss sein: Ein weitestgehend normaler Herbst, normal geöffnete Universitäten und Schulen im Regelunterricht, ein funktionierendes Berufsleben. Derzeit scheint das noch realistisch erreichbar zu sein. Doch wir haben erlebt, wie raffiniert das Virus vorgeht und wir haben bislang als einzig wirksames Gegenmittel die Impfung.

Ja, es gibt Medikamente und Substanzen, die Krankheitsverläufe lindern oder Heilungsverläufe beschleunigen können. Aber den Ausbruch verhindern oder mäßigen kann nur die Impfung. Deshalb beobachten, internationale Entwicklungen analysieren, weiter testen und vor allem rascher impfen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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