Jetzt! Big Data zur Corona-Bekämpfung.

Datenbanken können eruieren welche vorhandenen Medikamente wirksam einsetzbar wären.

Die realistische Perspektive: Es wird dauern, bis effiziente Impfstoffe gegen Corona zur Verfügung stehen. Und es wird lange dauern, bis ein Medikament entwickelt wird. Hingegen ist es eine Frage von Datenbankabgleichen – und damit von Wochen oder Monaten– um zu eruieren welche vorhandenen Medikamente auch gegen Corona wirksam wären. Voraussetzung: das Zusammenspiel von Daten.

Wofür haben wir Big Data? Und warum setzen wir gerade im Gesundheitsbereich nicht darauf. Es gibt Datenbanken zu Patienten, die Corona positiv infiziert waren. Es gibt zudem Datenbanken, welche Medikamente diese Patienten regelmäßig einnehmen. Es gibt höchstwahrscheinlich Medikamente, die bestimmte Symptome lindern oder die Vermehrung der Viren bei Corona-Erkrankungen positiv beeinflußen könnten. Voraussetzung: man kann über Daten verfügen.

Wir leben in einer vernetzten Welt mit Milliarden von Informationen, die man mit Big Data evaluieren könnte. Amazon, Facebook und Google tun das seit Jahren, sonst wären sie nicht so erfolgreich.

Warum sperren sich gerade Politik und Gesundheitsadministration gegen derartige Screenings. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass probate bereits seit Jahren eingesetzte Medikamente gegen Corona schützen oder zumindest Krankheitsverläufe lindern und optimieren könnten.

Jedes EU-Land erhebt Corona-Daten – aber sie werden nirgendwo gebündelt. In Österreich gibt es die Daten der Sozialversicherung – Medikationen durch den niedergelassenen Bereich – und Daten der Gesundheitsbehörden (EMS) zu den Infizierten, diese könnte man abgleichen-pseudonymisiert.

Warum? Es wäre kein Eingriff in die Identität und Intimität von Personen, es wäre keine Verletzung des Datenschutzes, sondern lediglich vorrausschauende Präventions- und Interventionspolitik in Sachen Gesundheit. Deshalb appelliere ich nochmals – bislang habe ich kein Gehör gefunden: Konkret geht es um die EMS Daten, die man analysieren, verknüpfen und durchforsten könnte.

Gleichermaßen gibt es eine umfassende wissenschaftlich validierte Datenbank in Köln namens „Leoss“, die europaweit Covid-Daten sammelt. Warum nutzt man das nicht stärker? Man sollte europaweit für diese Datenbank werben, sie bespielen und könnte dann aus den Krankengeschichten tausender Patienten lernen und die Behandlung der Corona Patienten optimieren. Derzeit sind noch immer viele Fragen offen, welche Medikamente wirken, welche schaden, wann ist der ideale Beginn mit Therapien, in welcher Dosierung erreicht man die besten Ergebnisse etc.

Wir dürfen nicht vergessen: das Virus existiert noch und es wird weitere Infektionen geben. Je bessere Informationen man hat, je mehr man über Medikamente weiß, die gewissermaßen „nebenbei“ gegen Corona schützen, umso leichter bewältigt man die Situation, umso besser und effektiver kann man behandeln. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Es bringt nichts darauf zu warten, bis dahin sollten wir alle Möglichkeiten ausnutzen, um die Behandlung zu verbessern.

Bitte jetzt Vernunft annehmen: Handeln und die Daten nutzen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres

Präsident der Ärztekammer für Wien

Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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