Jetzt die Grund -und Erstversorgung stärken. Deutlich mehr Kassenarztstellen in Wien, und deutlich bessere Honorare.

Gesundheit hat Priorität vor allem anderen. Diese Erkenntnis ist seit Corona auch bei der Politik angelangt. Deshalb sollte man jetzt-abgesehen von einem konkreten Pandemieplan für die Zukunft – alles dafür tun, die medizinische Grund- und Erstversorgung zu stärken: die Hausärzte, die Fachärzte mit Kassenvertrag, die Gruppenpraxen. Sie sind die Basis für ein funktionierendes Gesundheitssystem und direkte, vertrauensvolle Ansprechpartner für Patienten.

Dass es -nicht nur in Wien – deutlich zu wenige Allgemeinmediziner mit Kassenverträgen gibt, ist seit Jahren evident. Ebenso wie die Tatsache, dass ein gutes Drittel dieser Ärzte in den nächsten Jahren in Pension gehen wird, mehr als die Hälfte der Kassenhausärzte. Das heisst. Jetzt, wo die Sensibilität größer ist denn je, muss man handeln.

Wien ist in den letzten Jahren um mehr als 200.000 Einwohner gewachsen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl der zweigrößten österreichischen Stadt, Graz. Die Anzahl der Kassenärzte insbesondere bei Hausärzten, Kinderärzten oder Psychiatern – hat sich hingegen kaum verändert. Dadurch entstanden Versorgungslücken, sodass viele Patienten gezwungen waren, Privatärzte zu konsultieren  oder unendlich lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Oder in Krankenhausambulanzen zu gehen, selbst bei Verletzungen oder Erkrankungen, die jeder Hausarzt locker behandeln könnte.

Mit diesen Asymmetrien muss ebenso bald Schluss sein, wie die Ausbildungsstrukturen reformiert werden müssen. Sowohl an den Universitäten als auch später im Rahmen des Turnus beziehungsweise klinisch praktischen Jahres. Und es müssen Anreize geschaffen werden, damit Absolventen hier bleiben und nicht abwandern.

Wie man es dreht und wendet, es geht auch um mehr Geld. Wir haben nachdrücklich gefordert, dass den Kassenärzten für die Zeit, da sie ihre Ordinationen einschränken mussten und deutliche Patientenrückgänge verzeichnen mussten, der Verdienstentgang bezahlt wird. Ebenso, dass Krankenhausärzte, die sich in den vergangenen Monaten besonders stark engagiert hatten und nicht unerhebliche Risken auf sich genommen haben, eine Prämie verdienen. Ideelle Anerkennung ist zwar schön, aber auch Ärzte müssen adäquat zu ihrer Verantwortung und Ausbildung leben können. Kaum eine Berufssparte wie sie leistet derart viele Wochenstunden und derart unregelmäßige Dienste, die psychisch und physisch belasten.

Je engmaschiger wir in Zukunft die Gesundheitsversorgung gestalten je mehr wir in Prävention und Information investieren, um so besser werden wir auch in Zukunft Krisen meistern könne. Das heisst, Garantie der wohnortnahen Versorgung – vor allem für jene wachsende Zahl an Bürgern, deren Mobilität alters- oder krankheitsbedingt eingeschränkt ist.

Intensivierung und Ausweitung der Gesundenuntersuchungen , möglichweise sogar verpflichtend und ebenso verpflichtende Impfungen. Ich bin überzeugt, ein Großteil der Mitmenschen ist heute auch bereit dazu, in Gesundheit und vor allem Vorsorge und Früherkennung zu investieren.

Das wesentliche aber ist: Die Attraktivierung der Kassenordinationen. Höhere Honorare insgesamt und Abgeltungen für Beratung  und Patienten Gespräche, die einen gewaltigen psychologischen Effekt haben, Genesung und Heilung beschleunigen und das Vertrauen in das Gesundheitssystem stärken. Attraktiveren der Hausbesuche: durch eine Bezahlung, wie es bei jedem Handwerker üblich ist, der in die Wohnung kommt, um etwas zu reparieren oder Schäden zu beheben.

Unterstützung von Praxisgründungen – beispielsweise durch günstige Mieten, Zuschüsse für die Ersteinrichtung. Unternehmensberatung und Betriebswirtschaftsservices für Ärzte etc. Und Erleichterungen bei der Gründung von Gruppenpraxen. Hier ist nicht nur die Stadt Wien gefragt, sondern vor allem die Gesundheitskasse, von der man gerade in Zeiten der Corona -Krise wenig gehört hat, außer dass sie ein dickes Minus erwarten.

Das in der Corona-Krise bewährte Modell des  Ärztefunkdienstes bei fundierter telefonischer (oder auch über Video) Erstberatung muss nicht nur beibehalten, sondern verdichtet werden.

Das sind gleich die ersten dringlichen Maßnahmen bevor man dann- ebenso zügig – daran gehen sollte, ein durchdachtes integratives Gesundheitsverorgungsmodell zu erarbeiten und umzusetzen.

Noch etwas: Die Pandemie dauern fürchte ich, länger. Das heisst, wir können noch nicht von Krisenmodus auf laissez faire umschalten. Das wäre höchst leichtsinnig und gefährlich.

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