Jetzt schlägt es 13!!!

Der Umgang mit dem Corona-Virus grenzt an Fahrlässigkeit.

Es geht nicht nur um gesundheitliche Konsequenzen. Es geht auch um ökonomische, wie man am jüngsten Corona-Cluster in St. Wolfgang beobachten kann. Offensichtlich hat man aus den Fehlern der Vergangenheit wenig gelernt. Die Regierungsverordnungen sind widersprüchlich bis unverständlich, das angekündigte Ampelsystem lässt weiter auf sich warten. Die teilweise Wiedereinführung der Maskenpflicht ist rumpfhaft und beantwortet eine kardinale Frage nicht: Warum gibt es keine umfassende Maskenpflicht in allen geschlossenen Räumen? Schließlich weiß man, dass dort die Übertragungsgefahr am größten ist.

Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass in den nächsten Wochen weitere Cluster aufpoppen werden, unerwartet und unterschiedlich in ihrer Heftigkeit. Ob sie lokal eingrenzbar sind, ist fraglich, angesichts der wieder deutlich gestiegenen Mobilität.

Die Kontrollen an den Grenzen sind lax, das Personal überfordert, die Konsumenten neigen immer stärker dazu, so zu tun als sei das Virus verschwunden. Dem ist nicht so. Warum werden weiterhin – verstärkt sogar – Parties auf engstem Raum gefeiert, Abstände kaum mehr eingehalten? Die Regierung und die Behörden wagen offensichtlich kaum mehr, Strafen auszusprechen. Das Damoklesschwert Verfassungsgerichtshof schwebt über nahezu allen Entscheidungen.

Um es deutlich zu sagen: Was wir jetzt erleben, ist nicht unbedingt eine zweite Welle – die wird hoffentlich nicht kommen, könnte uns aber im Herbst blühen – sondern ein mobilitäts- und situationsbedingtes Aufflackern, dem Tourismus und der sinkenden Disziplin der Menschen geschuldet, und wohl auch den mangelnden Vorsorgemaßnahmen in einigen Betrieben.

Das Ganze wirkt sich auf die Gesundheitsversorgung jetzt schon gravierend aus. Kapazitäten müssen freigeschaufelt werden, ein Sicherheitsnetz für den Herbst gestrickt werden und der Alltagsbetrieb dennoch aufrechterhalten werden. Und das  in Zeiten erhöhter Unfallzahlen und wenige Monate vor einer zu erwartenden Grippewelle, gegen die viel zu wenige Menschen geimpft werden.

Es ist wieder an der Zeit klare Aussagen zu treffen. Wenn Freiwilligkeit nicht ernst genommen wird, muss man wohl wieder zu Verpflichtungen greifen.

Eigentlich schade und eigentlich sollten wir es nunmehr besser wissen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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