Jetzt sind wir schon bei 1.000!!!! Die 4. Welle kommt schneller als erwartet

Etwa 1.000 Neuinfektionen pro Tag, der Reproduktionsfaktor liegt wieder über 1. Das ist ein Zeichen, wie hochansteckend und schnell verbreitend die Delta-Mutation ist. Dagegen kann man nur eines tun: Impfen, impfen, impfen, so viele und so rasch wie möglich. Und parallel :Testen. Drittens : Wer sich nicht impfen lassen will, muss die Tests selbst bezahlen.

Derzeit sind knapp 60% der Österreicher 2 mal geimpft. Das heißt nicht, dass sie nicht an Corona erkranken können und schon gar nicht, dass sie das Virus nicht weitergeben können. Sicher ist: Eine volle Impfung schützt deutlich besser vor Ansteckung und lindert in jedem Fall die Konsequenzen, falls man erkrankt. Man sieht das an den Hospitalisierungen und Intensivpatienten.

Die Zahl der Hospitalisierungen steigt zwar leicht an, die Zahl derjenigen, die auf Intensivbetten liegen, ist jedoch noch nicht bedenklich. Dennoch, das Gesundheitssystem muss gewappnet sein. Und wir müssen bei der Impfkampagne Gas geben. Es scheint klar, dass 10 bis 15% der Bevölkerung von vornherein impfresistent sind. Sie sind logischen Argumenten nicht zugänglich. Dennoch bleibt ein bedeutender Teil an Impfskeptikern, vor allem aber bleiben tausende Eltern, die nicht sicher sind, ob sie ihr Kind impfen lassen wollen.

Hier muss vor Ort aufgeklärt werden. Impfinformationsrunden zu Schulbeginn, Erfassung der Schulen und  der dort unterrichtenden Lehrer, die geimpft bzw. nicht geimpft sind. Impfaktionen in der Schule und eine weitere Lokalisierung von Impfangeboten. Die Politik redet zwar davon, dass man Menschen dort abholen muss, wo sie sich aufhalten, es gibt jedoch keine einheitliche Planung. Lobenswert ist, dass in manchen Supermärkten Impfangebote gemacht werden. Dasselbe gilt für Festivals, wobei man sich die Frage stellen muss, ob es notwendig ist, in Zeiten wie diesen Festivals mit mehr als 10.000 Menschen, die sicherlich dicht gedrängt aneinander sind, zu veranstalten.

Gelassenheit und Ruhe, Vorsicht und Prävention sollten an 1. Stelle kommen. Und wieder bin ich bei den niedergelassenen Ärzten, die man wesentlich stärker ins Boot holen muss, gerade zur Aufklärung von impfskeptischen Eltern, oder bei der Behandlung von Covid-Erkrankten.

Denn die nächsten Lücken tun sich schon auf. Dass wir zu wenig Kinderärzte haben, zu wenig Kinderstationen an den Spitälern, ist seit Jahrzehnten bekannt. Dass es keine strukturierte Betreuung von Long Covid gibt auch.

Wir müssen parallel denken. Impfen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, die 3-G-Regeln sorgsam beachten und trotzdem regelmäßig testen. Das gilt auch für bereits geimpfte und Genesene. Das sind sie einer Gesellschaft, die ohnehin sehr liberal ist, schuldig. Wer sich nicht testen lassen will, darf zu bestimmten Veranstaltungen nicht gehen, muss sich sein Essen zuhause aufbereiten und auch sonst Nachteile in Kauf nehmen.

Das ist keine Freiheitseinschränkung, sondern das ist Freiheit für die anderen, für die Mehrheit, die sich impfen haben lassen. Und wir brauchen Ressourcen und Geld für die Betreuung derjenigen, die genesen sind, bei denen aber chronische Schäden vorhanden sind oder sich erst zeigen werden. Etwas darf man nicht mehr tun. Die 4. Welle auf die leichte Schulter nehmen und sagen, es wird schon nicht so schlimm werden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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