Jetzt stehen wir auf der Liste der Unerwünschten. Norwegen, Island, und auch Großbritannien sprechen Reisewarnungen aus.

Wer nach Großbritannien oder Norwegen will, muss in Quarantäne. Das einstige Musterland Österreich wird als gefährlich eingeschätzt. Kein Ruhmesblatt, obwohl die Politiker versichern, man habe die Pandemie im Griff. Dabei gab es in Wien mehr Neuinfektionen als in Lockdown-Zeiten. Das mag auch an den intensiveren Tests liegen. Aber nicht nur. Es sind nicht alleine die Rückreisenden.

Dringlicher denn in den vergangenen Wochen erscheint nunmehr eine allgemeine Maskenpflicht für alle geschlossenen Räume. Das gilt meiner Meinung auch für Schulen und Schüler ab der 5. Schulstufe. Massenansammlungen und Partys müssen strenger kontrolliert und Überschreitungen von Verboten sind zu pönalisieren. Das gilt auch für öffentliche Fern -und Nahverkehrsmittel, in denen die Maskendisziplin spürbar nachgelassen hat.

Die Tatsache, dass der Altersdurchschnitt der Infizierten auf unter dreißig gesunken ist, spricht für sich. Positiv daran erscheint lediglich, dass die Jugendlichen resistenter sind und zumeist zu Hause bleiben können.

Es scheint auch, dass die Dunkelziffer- Infizierte ohne Symptome – deutlich höher ist als zunächst angenommen. Ob sich darunter Superspreader befinden, kann nur durch effizientes Containment oder durch intensivere Nutzung der Anti-Corona App annähernd verfolgt werden.

Noch verbreitet sich das Virus nicht exponentiell, aber die Zahl täglichen Neuinfizierten beläuft sich mittlerweile konstant auf mehr als 300. Dies war zuletzt im April und Ende März der Fall. Wie es nach Schulbeginn aussehen wird und im September, da die meisten Betriebe Home Office beenden und auch die Kurzarbeit deutlich abnehmen sollte, wird sich erst herausstellen.

Es schneit derzeit genügend Reserven in muralen Bereich zu geben: Intensivbetten, Isolierte Räume  für leichtere Fälle. Aber: es gibt nicht genügend Personalkapazitäten.

Und es gibt bereits Medikamente und Therapien, um den Krankheitsverlauf zu mildern und abzukürzen: beispielsweise der Einsatz von Plasma genesener Infizierter oder repositionierter Medikamente .Beim Plasma fehlt es trotz Appellen an Spendern.

Abgesehen davon muss man der Realität ins Auge schauen: Ab Oktober nimmt die Zahl der  üblichen Infektionen- Grippe, Erkältung etc. – deutlich zu. Die Menschen rücken einander in geschlossenen Räumen wieder näher.

Vorsorglich müssen Masken und Schutzanzüge in großen Mengen geordert werden, wobei absurderweise immer noch nicht klar ist, wer – insbesondere für die niedergelassenen Ärzte – für die Bezahlung aufkommen soll. Niedergelassene Ärzte müssen zusätzlich versorgen: Intensivierung der telefonischen oder bewegtbildbasierten Beratung und Befundung, Reduktion der physisch anwesenden Patienten in den Ordinationen.

Und der Satt sollte sich überlegen, massiv Präorders für in Entwicklung befindliche Impfstoffe abzuschließen . Und nicht nur das : Meines Erachtens ist zu überlegen, ob man die maximale Besucherzahl bei öffentlichen Ereignissen, beispielsweise Fußballmatches oder Popkonzerte , nicht wieder heruntergefahren wird. Nach dem Motto: Lieber Geistserspiele satt johlender Fans, die in ihrer Emotion vergessen. Abstand zu halten.

Es muss so rasche wie möglich verbindliche Ampelregelungen geben. Niemand kennt der derzeit-außer der Farbe die Inhalte. Grafiken und Schaubilder, die verharmlosen, mögen zwar pr-technisch gut sein, aber der Sache schaden sie eher.

Es scheint, als ob die Zahl derjenigen, die Corona verharmlost oder ignoriert, nicht kleiner wird, sondern größer.

Es ist viel zu tun. Sonst erleben wir einen heißen Herbst und Winter.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt

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