Kapazitäten am Rande der Erschöpfung. Engpass bei Intensivbetten – vor allem beim Personal.

Seit Jahren fordern wir: Mehr Ärzte für die Krankenhäuser und deutlich mehr Personal. Jetzt wird es kritisch – wahrscheinlich enger als bei der ersten Welle. Es gäbe wahrscheinlich genügend Intensivbetten. Aber dafür fehlt qualifiziertes Personal. Das sollte eine Lehre für später sein.

Die intensiv zu betreuenden Patienten werden zumeist erst 10 Tage nach der Infektion  oder später auf die Intensivstationen gelegt. Das heißt, der Peak wird erst Ende November erreicht sein. Noch dazu lässt sich nicht präzise vorhersagen, wie lange die Behandlung eines Covid-19-Erkrankten dauert. Das können zwei Wochen sein oder deutlich mehr – vor allem da es kaum wirksame Medikamente gibt, abgesehen von Plasmaspenden bereits genesener Erkrankter oder für manche Fälle Remdesivir. Und solange es keine Medikamente gibt, muss man konventionell behandeln. Und auf die Resilienz der Patienten bauen. Zudem weiß man nicht exakt welche lang- oder mittelfristigen Schädigungen sich zeigen.

Deshalb ist Kontaktvermeidung und die Beibehaltung der Grundregeln – Abstand halten, Hygiene, Maske, Kontaktvermeidung – so dringlich. Vor allem auch deswegen, um das medizinische Personal zu schützen. Hier muss es so wenige Ausfälle und Quarantänemaßnahmen wie nur möglich geben.

Bereits jetzt werden in den meisten Spitälern geplante Operationen, die nicht lebenserhaltend sind, verschoben. Es muss aber gewährleistet bleiben, dass akute Fälle sofort und bestmöglich behandelt werden. Leben retten und erhalten ist das Gebot der Stunde – das gilt für alle.

In Wien kooperieren die öffentlichen Krankenhäuser mit den privaten, die ihrerseits Kapazitäten freistellen. Das ist gut und auch notwendig.

Da uns das Containment zum großen Teil entglitten ist, helfen lediglich Tests, so viele wie nur möglich sind. Deshalb braucht es in jedem Grätzel Testcontainer und kein Abschieben der Tests auf niedergelassene Ärzte, deren Ordination zum Großteil technisch und raumbezogen nicht geeignet sind. Zudem müssen gerade auch die niedergelassenen Ärzte und deren Mitarbeiter geschützt werden. Niemandem hilft eine Ordination, die wegen Quarantäne geschlossen ist.

Es wird sich erst gegen Wochenende erweisen, wie wirksam die Lockdown-Maßnahmen waren. Ich befürchte, dass weitere Verschärfungen und eine Verlängerung notwendig sind.

Das heißt: Übernehmen wir alle Verantwortung, schützen wir uns und die Mitmenschen. Vor allem aber jene, die uns helfen können und wollen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von film am Dezember 1, 2020 um 8:14 am

    Major thankies for the article. Much thanks again. Awesome. Shanie Georas Trixi

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