Keine Zeit und kein Anlass für Spielereien! Ärzteausbildung muss in Verantwortung der Ärztekammer bleiben.

Wir haben Quasi-Notstand. Und tausende Ärzte nehmen mit großem Engagement volles Risiko auf sich, um die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen. Was sollen zu dieser Zeit Überlegungen der Kammer die Ausbildungshoheit zu entziehen und dies den Behörden oder den Ländern zu übertragen. Das ist nicht nur sinnwidrig, sondern eine Gefährdung der hochqualitativen Ausbildung.

Wir haben in Österreich ohnedies einen krassen Ärztemangel – in öffentlichen Krankenhäusern und im niedergelassenen Kassenbereich. Man sieht es jetzt deutlich: Es fehlen Anästhesisten und andere Spezialisten für die Betreuung von Intensivpatienten. Gerade in diesen Zeiten sollte man nicht mit gesetzlichen Erwägungen und bürokratischen Änderungsmaßnahmen spielen.

Der Arztberuf ist ein freier Beruf, Ärzte sind nicht Dienstleister, sondern ihren Ausbildungs- und Berufsvorschriften sowie dem hippokratischen Eid verpflichtet.

Die Ärztekammer hat ein äußerst strenges, niveauvolles und international höchst anerkanntes Ausbildungs- und Berufsausübungssystem. In dem Moment, da andere Behörden diese Hoheit hätten, besteht die Gefahr der Verwässerung und der politischen sowie ökonomischen Einflussannahme. Schon in den vergangenen Jahren haben in vielen Krankenhäusern die Ökonomen die Macht übernommen und versuchten, ärztliche Autonomie einzuschränken. Das darf nicht sein. Die aktuelle Krise zeigt das ganz deutlich auf: Zuerst Gesundheit und Heilung, dann alles andere.

Wir fordern daher dringlich auf, die Ärzte und die Ärztekammer nicht in ihrer Autonomie zu beschränken, sondern im Gegenteil alles zu tun, um freie Berufe zu schützen und die finanziellen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir in Zukunft das Abwandern von Ärzten ins attraktivere Ausland vermeiden und jene Lücken schließen können, die sich heute dramatisch auf tun: Sowohl bei den Allgemeinmedizinern als auch in bestimmten Mängelfächern und in den Krankenhäusern.

Die Situation ist zu dramatisch, um jetzt Machtspiel zu betreiben. Wir sollten alle Kräfte drauf fokussieren die Krise zu meistern, das Gesundheitspersonal zu schützen, qualifiziert und zielgerecht zu testen, Contact-Tracing zu verbessern und soziale Kontakte bestmöglich zu vermeiden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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