KinderärztInnen, PädagogInnen, KindererzieherInnen und PflegerInnen brauchen wir. Versagt der Staat in seinen Kernaufgaben?

Wir werden in 5 bis 10 Jahren nicht nur einen eklatanten Ärztemangel haben, sondern auch zu wenige Lehrer, Kinderpädagogen, Pfleger und andere qualifizierte Sozialberufe. In Zahlen: etwa 10.000 bis 12.000 Ärzte., 60.000 Lehrer, 75 bis 80.000 Pfleger und 20.000 Kinderpädagogin fehlen bis dorthin. Dabei wäre des gerade die Aufgabe des Sozial -und Bildungsstaates, dafür zu sorgen, dass für diese Kernaufgaben genügend viele, gut ausgebildete und auch gut bezahlte Kräfte zur Verfügung stehen. Tut es aber nicht. Im Gegenteil: die Knappheit verschärft sich weiter, wenn man nicht zukunftsweisende Maßnahmen trifft. Über die kommende Regierungszeit hinaus. Allein die Studien-und Ausbildungszeit eines Arztes dauert 2-3 Wahlperioden.

Man muss die Politik ernsthaft fragen, wieviel ihr eine gut ausgebildete, im wesentlichen gesunde und leistungsaffine Gesellschaft wert ist. Dafür reicht Denken in Legislaturperioden und kurzfristigen pekuniären Populismen nicht aus.

Zu den Feiertagen wird besonders deutlich sichtbar und emotional spürbar, wie groß beispielsweise der Mangel an Kinderärzten ist: Urlaube, noch dazu steigende Anzahl von Infektionen, nahende Grippewelle, etc.

Kinderärzte arbeiten übers ganze Jahr an den Grenzen der Belastbarkeit. Und sie sind mehrfachen Erwartungen und Anforderungen ausgesetzt. Der Ungeduld und den Sorgen der Eltern, den Erkrankungen der Kinder und der Erwartungshaltung, gerade sie sollten sich nahezu uneingeschränkt Zeit für die Patienten nehmen.

Kinderärzte sind im niedergelassenen Bereich schlecht honoriert. Einerseits stehen sie unter Druck, genügend viele Patientinnen zu haben um die Ordination auch ökonomisch erfolgreich zu führen, anderseits fehlt ihnen zumeist die Zeit, intensiv auf die Kinder einzugehen. Und oft haben sie Schwierigkeiten, ein Krankenhausbett in der näheren Umgebung zu organisieren. Denn auch an vielen Krankenhäusern gibt es zu wenige Kinderbetten und ausreichend besetzte Abteilungen. Es fehlt aber auch an Therapieplätzen.

Am AKH hat man ein erfolgreiches Modell begründet, das eine Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten darstellt. Es wurde in den vergangenen Jahren auch genügend Geld in die Hand genommen, um die Kinderklinik auszubauen. Doch das ist ein Einzelfall. Wobei auch am AKH ein eklatanter Mangel an Kinderärzten herrscht.

Die Politik zeichnet sich zumeist durch laizzez faire aus. Und spricht gerne von einem üppig ausgestatteten Gesundheits- und Sozialsystem. Warum aber gibt es in den meisten Gesundheits-Sozial- und Pädagogikberufen derart massive Nachwuchsprobleme? Auffällig ist, dass alle diese Berufe zunehmend weiblich werden. Von Diversity ist wenig zu spüren.

Es liegt nicht am mangelnden Interesse an den Berufen. Es liegt am Arbeitsklima, an den Arbeitsbedingungen, an der Bezahlung und vor allem an der öffentlichen Wertschätzung. Im Idealfall müssten Lehrer, Pfleger, Kinderpädagogen, Kinderärzte und Schulärzte zu den bestbezahlten Berufen zählen- und zwar vom Anfang der Karriere an. Die Politik müsste ihre Engagement öfter loben. Denn sie prägen die Kinder, fördern und fordern sie, haben die Möglichkeit und den Einfluss, sie zu einer gesunden Lebensführung zu geleiten, ihr Interesse für Wissen und Lernen zu wecken.

Die Realität zeigt das Gegenteil: zu große Schulklassen zu wenige Betreungslehrer, zu wenige Förderstunden an den Ganztagsschulen, noch immer kein Fach Gesundheit und Ernährungslehre, zu wenige Turn-und Mobilitätstunden.

Das setzt sich fort: zu wenige Kinderärzte oder Kinderpsychiater, zu wenige spezifische Kindertherapieplätze. Und zu wenig Unterstützung in der Außenwirkung.

Es sollte gerade zu Jahreswechsel ein ernsthafter Appell an die Politik sein. Eine Gesellschaft, die wenig Wert auf ihre Jüngsten legt und nicht dafür sorgt, dass die jüngsten gut und gesund erzogen werden, kann sich nicht als Wohlfahrtsstaat und Bildungsstaat bezeichnen.

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