Kollektives versagen -oder ist die Pandemie stärker als wir?

Langsam und gleitend, begleitet höchstens von rüden Tönen  und Hahnenkämpfen  scheinen alle Beteiligten die Übersicht zu verlieren. Eklatanter Mangel an Impfstoff, schleppende Durchimpfung der vulnerablen Personen, und das bei weiterhin steigendem Zahlen an Neuinfektionen, offensichtlich bereits verursacht durch die neuen Covid-Mutationen oder Varianten.

Wissenschafter klagen zurecht über mangelnde Daten und schwere Nachvollziehbarkeit der Verbreitung, die offensichtlich erst vor dem exponentiellen Wachstume steht. In immer mehr Bundesländern taucht der neue Virus auf, es gibt keine oder zu wenig evidenzbasierten, validen Daten ob und welche der zur Verfügung stehenden Impfstoffe gegen das neue Virus wirken und immunisieren.

Die Regierung tut sich schwer, dem Druck der Wirtschaft zu widerstehen, Schlangen vor den Geschäften bei geringem Abstand der Menschen zueinander prägen das Straßenbild. Die Menschen stürmen die Friseure und Kosmetikstudios – das scheint verständlich.

Das Positive: Es wird intensiv und massenhaft getestet; oft aus freiem Willen heraus.  So besteht die Chance Personen zu isolieren und weitere Brandherde zu vermeiden.

Sonst aber herrscht Ratlosigkeit: Hat uns die Pandemie gelähmt? In Deutschland  wurde der totale Lockdown verlängert, in weiteren Ländern findet ähnliches statt.

Die Warnungen der Ärzte werden wenig beachtet; Der Niedergelassene Bereich weiss immer noch nicht ,wann und mit welchen Reagenzien er impfen soll. Anrufe von verunsicherten Patienten häufen sich. Noch gibt es genügend Reserven in der Intensivmedizin, aber das kann sich schlagartig ändern.

Und schon türmt sich das nächste Problem auf: die Weiterbehandlung und Rehabilitation bereits Genesener. Die  Langzeitschäden sind doch ernster und dauerhafter als man annahm. Pflegeheime sind noch immer nicht optimal geschützt-die ersten Fälle mit dem australischen Virus sind bereits bekannt geworden, ebenso wie in Kasernen, wo es rein technisch nicht möglich erscheint Abstandsregeln zu wahren,

Das System scheint an den Grenzen der Machbarkeit angelangt

Da hilft nur eines: so rasch wie möglich und so effizient wie möglich impfen, so viele regelmäßige Tests – am besten PCR – wie nur möglich, Bewegungen einzuschränken, Kauf-und Unterhaltungsangebote radikal zu minimieren – und vor allem Tracing -Verfahren zu forcieren. Denn die Wissenschaft braucht so viele Daten wie nur möglich-:Sonst sind solide Prognosen und evidenzbasierte Maßnahmenvorschläge:Eines scheint zu stimmen : So Komplex und unübersichtlich war die Lage noch nie. Und das Licht am Ende  des Tunnels rückt wieder weiter weg. Für die ohnehin schon depressive Stimmung der Menschen ist das fatal.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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