Leistungsharmonisierungen nach oben-Unbedingt! Aber föderale Freiräume für die Bundesländer.

Die neue Gesundheitskasse wird österreichweit zu einheitlichen Leistungen führen-zumindest in den meisten Fällen. So wird beispielsweise die maximale Dauer der Zahlung des Krankengeldes auf 78 Wochen erhöht ebenso wie eine Anhebung der Ersatzkosten für Heilbehelfe. Auch der Selbstbehalt bei Krankentransporten soll abgeschafft werden, und auch Tiroler, Wiener und Kärntner Pensionisten haben Anspruch auf eine Kur. Das ist gut so und entspricht auch unseren Forderungen.

Wir werden aber weiterhin darauf bestehen, dass in den jeweiligen Bundesländern mit den Kassen individuelle Leistungsverträge mit der Ärztekammer (und den Ärzten) abgeschlossen werden. Denn es gibt beträchtliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, Erstversorgung in den Krankenhäusern und im niedergelassenen Bereich.

Es gibt Regionen, die mit Hausätzen dramatisch unterversorgt sind und wo die Belastung für die Ärzte enorm hoch ist. Und große Distanzen zu überwinden sind -für Patienten und Ärzte.

Gleichzeitig muss man auf demografische Unterschiede Rücksicht nehmen, ebenso wie auf topographische. Die Ärztekammer für Wien hat eine Leistungsvereinbarung mit den Wiener Kassen abgeschlossen, der die spezifische urbane Situation berücksichtigt. Und zusätzlich noch erreicht, dass die Stadt Wien 22 Millionen Euro als Unterstützung zahlt.

In Tirol oder Salzburg herrschen andere Verhältnisse. Die Leistungsveträge haben deshalb auch andere Kriterien. Zentralismus, der über alles drüberfährt, wäre fehl am Platz und würde die Versorgung verschlechtern.

Zudem ist Österreich in weiten Teilen mit dem Föderalismus gut gefahren, insofern die Rahmen des Bundes elastisch genug sind. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Auch der subjektive Zugang der Patienten zum Gesundheitssystem ist regional unterschiedlich. Auch die Lebenserwartung weist ein West-Ost-Gefälle auf. Offensichtlich bewegen sich Tiroler und Vorarlberger mehr. Sie suchen auch statistisch gesehen seltenerer Ärzte oder Ambulanzen auf.

Die Bedürfnisse und spezifischen Anforderungen kennen die Experten und Funktionäre vor Ort. Sie dürfen nicht entmündigt oder einfach overruled werden.

Wichtig wäre hingegen, dass es ein klar definiertes, österreichweites Krankenanstaltenrecht gibt. Und eine klare Aufgabenbeschreibung pro Krankenhaus, basierend auf Fakten, Umfragen und Evaluierungen der Erhebungen. Dass es dazu auch Mut braucht, verkrustete Strukturen aufzubrechen, ist logische Konsequenz.

Wenn es in unserem Gesundheitssystem eine große Asymmetrie gibt, dann bei den Betten: Zuviele Akutbetten, zu wenige -und wesentlich günstigere – Pflegebetten. Es geht nicht um die ersatzlose Streichung von Akutbetten, sondern um deren teilweise Umwandlung in Pflegebetten und Rehabbetten mit entsprechenden Services. Man muss berücksichtigen, dass die Bevölkerung mehr und gleichzeitig älter und chronisch kränker wird. In diese Diskussion wollen wir eingebunden sein, denn die Ärzte, die tagtäglich ihre Dienste versehen, wissen am besten, wo Asymmetrien und Fehlplanungen herrschen.

2020 wird sich zeigen, wie gut die Selbstverwaltung wirklich funktioniert.

Ich bin optimistisch.

Posted in

Hinterlassen Sie einen Kommentar