Licht ins Dunkel. Signal und Aufforderung. Denken wir daran, dass es Elend und Armut auch jenseits von Corona gibt.

Heute startet die ORF-Aktion Licht ins Dunkel. Sie sollte Anlass sein, nachzudenken, dass es selbst im reichen Land Österreich – und jetzt verstärkt durch die Krise – Armut, Leid und Existenzsorgen gibt. 1,25 Millionen Österreicher sind armutsgefährdet, darunter etwa 330.000 Kinder. Ihnen muss geholfen werden.

Gesundheit, Bildung und Armut hängen eng zusammen. Das zeigen alle Statistiken. Und das trifft auch auf Corona zu. Man denke an die alleinerziehende Mutter, die halbtags als Kassiererin arbeitet – oder gearbeitet hat – und am Ende des Monats nicht weiß, wie sie die Miete bezahlen, die Heizkosten bestreiten oder das Kind gesund ernähren kann.

Durch Corona ist die Zahl der Arbeitslosen auf historische Rekordhöhe gestiegen, nicht hinzugerechnet sind diejenigen Hunderttausende, die in Kurzarbeit sind. Und die Zahl dürfte in den kommenden Wochen steigen, insbesondere im Tourismus und in der Bauwirtschaft.

Auch daran sollte man denken, wenn man sich mit der Pandemie beschäftigt. Die Ärztekammer unterstützt seit Jahren karitative Einrichtungen wie das Neunerhaus, hunderte Kollegen machen freiwillig Dienst für derartige Initiativen. Die Erlöse aus dem Ärzteball wurden bislang an AmberMed gespendet, eine Organisation, die für diejenige Menschen medizinische Behandlung anbietet, die nicht sozialversichert sind. Bedenken wir: Die Zahl der Nichtversicherten steigt auch in Österreich seit Jahren kontinuierlich an.

Mir ist es ein Anliegen, dass wir bei allen Ängsten und Sorgen, die wir uns angesichts Corona machen, nicht auf diejenigen vergessen, die am Rande der Gesellschaft leben, die von ihrem Einkommen kaum leben können und sich schwer tun, sich selbst zu helfen – zum Beispiel im Umgang mit Behörden oder Institutionen. Dafür sollte Licht ins Dunkel ein Signal sein.

Solidarität in einer Gesellschaft kennt keine Grenzen und Abstufungen.

Viele besser Verdienende werden heuer vielleicht auf den Urlaub verzichten und sich bei den Ausgaben für Weihnachten zurückhalten – vielleicht könnte man einen Teil davon an diejenigen geben, die in eisig werdenden Zeiten Hilfe und Unterstützung brauchen. Und zudem genauso Corona-gefährdet sind wie wir alle.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Posted in

Hinterlassen Sie einen Kommentar