Man sollte wieder Masken tragen! Man muss wieder Abstand halten!

Schiebt die Regierung die Verantwortung an die Bürger ab?

Es ist widersprüchlich: einerseits hat der Gesundheitsminister Besorgnis wegen einer zweiten Welle, andererseits müssen heute Kellner und andere Dienstleistungsangestellte keine Masken mehr tragen. Und „Berührungssport“ wie Fußball, Handball, Basketball etc. ist wieder erlaubt. Alle Sportplätze sind offen. Wie geht das füreinander? Sich zu beklagen, dass die Disziplin der Menschen nachlässt, ist keine politische Kategorie.

Ein Schritt nach vor und zwei zurück: das ist eine gefährliche Strategie, weil sie die Glaubwürdigkeit der Regierenden in Frage stellt oder zumindest deutlich vermindert.

Jetzt hat man wieder verschärft Reisewarnungen ausgesprochen.. Und vielleicht ist es mit dem Kroatien-Urlaub schneller vorbei, als er gestartet wurde.

Ab sofort dürfen wieder Sportveranstaltungen mit Publikum stattfinden, an den nächsten beiden Wochenenden gibt es das Spektakel in Spielberg, zwar ohne Zuseher, aber allein mit mehr als 2.000 handelnden Personen.

Als Ärztekammerpräsident kann ich lediglich appellieren: Tragen Sie wieder Masken, wenn Sie sich in geschlossenen Räumen aufhalten. Und halten Sie Abstand. Masken sind nicht bequem, das wissen wir alle, aber sie sind Schutz. Und den brauchen wir und die Mitmenschen.

An dutzenden Hotspots in Europa werden wieder lokale Quarantänen verhängt, der Ostbalkan scheint sich zum zweiten Corona-Herd zu entwickeln.

Und international ist längst ein beinharter Lizitationswettkampf um die wenigen Medikamente ausgebrochen, die bei ernsthaften Erkrankungen womöglich hilfreich sind, wie etwa Remdesivir. Als Mikromarkt wird Österreich da wenig Chancen haben.

Eine gewisse Phäakenhaltung scheint sich wieder breit zu machen: Wir sind die Insel der Seligen, wir haben alles hinter uns. Also lasst uns fröhlich tanzen.

So geht es aber nicht. Wir haben nicht nur Corona, wir haben eine gestiegene Zeckengefahr und wir wissen heute schon, dass wir zu wenig Grippeimpfstoff für den Herbst besitzen, falls es unerwartet zu einem Ansturm auf die Impfstellen geben sollte.

Und: es gibt noch immer kein konkludentes Konzept, wie man die Mitarbeiter der Gesundheitsberufe – allen voran Ärzte und Pflegekräfte – systematsich schützt. Und wir haben nachweislich zu wenige Tests. Die Testaktionen für die Tourismusmitarbeiter sind deutlich in Verzug, der Ansturm auf die Badeseen beginnt aber bereits diese oder nächste Woche, wenn die Schulen in Österreich und in den Nachbarländern schließen.

Verspielen wir leichtfertig unser Kapital und unseren Vorsprung?

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres

Präsident der Ärztekammer für Wien

Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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