Maskenpflicht indoor. Bitte handeln!

Die Politik soll endlich konsequent und kohärent agieren.

Masken auf. Masken ab. Maskenpflicht dort, keine Maskenpflicht anderswo. So kann es nicht gehen. Gesundheitspolitisch nicht und wohl auch rechtlich nicht. Mit der löchrigen Maskenpflicht riskiert der Gesundheitsminister wieder ein Negativurteil des Verfassungsgerichtshofes. Davon sind namhafte Juristen überzeugt. Inzwischen poppen täglich neue Cluster auf. Und es wird immer schwieriger, effizientes Containment zu betreiben.

Österreich droht in Laissez-faire und Willkür zurückzufallen. Wir sollen uns immer wieder bewusst machen: Solange es keine Impfstoffe gibt, müssen doppelte und dreifache Vorsorge- und Schutzmaßnahmen verordnet werden.

Maskentragen indoor ist eines davon – und zwar durchgängig und nicht nur in ausgewählten Geschäften und Ordinationen sowie Amtsräumlichkeiten.

Abstand halten sollte eigentlich mittlerweile internalisiert sein. Doch täglich sieht man in allen Medien Fotos von ausgelassenen Parties – natürlich auch mit Prominenten, die eigentlich Vorbilder sein sollten – und überfüllten Vergnügungsmeilen.

Man hat zwar nunmehr eine Ampel eingeführt und die Farben definiert. Aber weiter nichts. Was grün oder rot bedeuten soll, das hat man nicht verraten. Und angesichts der steigenden Mobilität erscheint auch fraglich, dass man Bezirksgrenzen einführt. Das Virus hält sich nicht an Grenzen.

Verpflichtende Tests und mobile Stationen an Grenzen sollten selbstverständlich sein, wie auch der Wiener Stadtrat Peter Hacker meinte. So konsequent und radikal Österreich den Lockdown angeordnet hat, so schlampig, inkonsequent und widersprüchlich agiert man jetzt – gewissermaßen danach, wer aus den wirtschaftlichen Lobbies mehr Einfluss und Macht hat.

Gleichzeitig ist man zögerlich bei der Vorsorge: Jetzt müssen Verträge mit Impfstoffentwicklern abgeschlossen werden, sonst gehen wir am Ende leer aus. Das betrifft auch Masken und Schutzanzüge für das medizinische Personal.

In einem Monat beginnt der Schulunterricht. Die Schuldirektoren beklagen, dass sie überhaupt keine Hinweise erhalten, wie sie sich verhalten sollen, welche Maßnahmen sie jetzt schon planen müssen. In Bayern hat man vor wenigen Tagen eine Maskenpflicht für alle Schulen und Schüler verordnet. Das mag unpopulär sein, ist aber zumindest eine klare Ansage. Und Österreich: Da verspricht man irgendwann, ähnlich wie bei der Ampel, nähere Auskünfte. Nur: Wann ist irgendwann?

Wir riskieren einen dramatischen Rückfall. Haben wir das notwendig?

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

(erfasst am 01.08.2020)

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Dr. Gerhard Ofner am August 2, 2020 um 2:02 pm

    Sehr geehrter Herr Präsident Dr. Szekeres!

    Obwohl wir uns persönlich nicht kennen, haben wir eigene Gemeinsamkeiten: wir sind beide in Wien geboren, ich bin nur wenige Jahre älter als Sie und wir haben beide in den 80er Jahren an der Universität Wien studiert.

    Ich habe Ihre sehr diplomatischen Aussagen über aktuelle, bedeutende Ereignisse und Entwicklungen bisher durchaus bewundert, z.B. Ihre Aussagen zu der aus meiner Sicht bisher nicht gelösten Frage ob die G5 Mobiltelefonie für die Gesundheit der Menschen Gefahren darstellt, bzw. wie hoch die Gefahr ist. Sie haben die Politiker (aus diplomatischer Sicht hervorragend) aufgefordert, geeignete Studien in Auftrag zu geben!

    Umso fassungsloser beobachte ich Ihre Aussagen und Stellungnahmen zum Thema „Corona-Pandemie“!
    Heute (2.8.2020) kann man der Homepage des Gesundheitsministeriums entnehmen (amtliches Dashboard Covid 19), dass österreichweit 20 Menschen wegen Covid 19 in Intensivbetten behandelt werden, aber 742 Intensivbetten werden wegen Covid19 verfügbar gehalten! Ein ähnliches Missverhältnis zwischen der Gefahr und der Wirklichkeit besteht bei den Normalbetten: 8.594 Betten sind wegen Covid 19 verfügbar, 73 Betten sind belegt! Da ich davon ausgehe, dass vor der Corona Pandemie die Österreichischen Spitäler sinnvoll ausgelastet waren, sind nun (seit Mitte März 2020) für Patienten zu wenig Betten vorhanden (außer für Corona Patienten)! Wer prüft die Kollateralschäden?

    Mit Berücksichtigung der Tatsache, dass erfreulicherweise nur 93 Patienten, die an Corona (Covid19) erkrankt sind, hospitalisiert sind (nicht berücksichtigt ist der Anteil an den 93 Patienten, der wegen einer Grunderkrankung ohnedies hospitalisiert wäre), müsste jedem Menschen verständlich sein oder zumindest verständlich werden, dass die Corona – Erkrankung (Covid19) vergleichbar mit einer eher milden Grippe ist!

    Ja, jede Grippe kann gefährlich sein! Vor allem für Menschen mit einer gefährlichen Grunderkrankung und sehr alte und schwache Menschen. Dass diesen Personen ein besonderer Schutz zuteilwerden sollte (sofern diese es wünschen) steht außer Diskussion.
    Aber das ganze Volk der Österreicher für sechs Wochen (vom 15.März bis zum 30.April 2020) mit einer Ausgangssperre für private Angelegenheiten zu belegen (außer das Luftschnappen) ist – wie wir nun auf Grund der Beurteilung der Verfassungsrichter erfahren haben nicht nur mit den Grundsätzen des Naturrechts unvereinbar! Pikanterweise wurde auf den Schutz von Risikogruppen und Menschen, die sich aus persönlichen Gründen vor Covid19 gefürchtet haben, in den ersten Wochen des Lock-Downs auf beruflicher Ebene wenig Rücksicht genommen worden!!

    Und die aktuelle Situation der Anti-Corona Maßnahmen im Österreich sind wohl mehr als fragwürdig, z.B. mussten sich wegen einem einzigen infizierten Menschen im Norden Niederösterreichs vor wenigen Wochen 80 (in Worten achtzig) Menschen in Quarantäne begeben! Ist Ihnen bekannt, wie viele dieser 80 Personen
    • tatsächlich an Corona erkrankten,
    • wie viele mussten sich in Spitalsbehandlung begeben,
    • wie viele sind gestorben?
    Ich ersuche höflich um Ihre Antwort!

    Dass (angeblich) Ärzte, welche die Gefahren der Corona Erkrankung (Covid19) als gering beurteilen, sich der Gefahr aussetzen, ihre Berechtigung zum Praktizieren zu verlieren, ist aus meiner Sicht eine unglaubliche Verfehlung, die beweist, welchen Druck in der „Angelegenheit Corona“ von einigen wenigen Personen, die „oben“ sind auf einzelne Bürger und das Volk ausgeübt wird.

    Nun fordern aber Sie, sehr geehrter Herr Präsident, in Ihrer Funktion als Präsident der Ärztekammer von unserer Regierung die Maskenpflicht zu verschärfen (erweitern)!
    Meinen ersten Gedanken, nachdem ich von Ihrer Forderung erfahren habe, möchte ich hier nicht erwähnen. Trotz der Bedenken von diversen Fachleuten (z.B. Univ. Prof Dr. Franz Allerberger) sprechen Sie sich für die Ausweitung der zwangsweisen Verwendung von Masken aus! Nicht nur Professor Allerberger hält fest, dass durch Masken die Sauerstoffzufuhr zur Lunge verringert wird, (somit die Leistungsfähigkeit verringert wird) und die Bildung von Bakterien gefördert wird. Abgesehen davon ist es notwendig, lauter zu sprechen, um vom Gegenüber gehört und verstanden zu werden – was wiederum mehr Sauerstoff erfordert (mit oder ohne dem verfassungsmäßig bedenklichen Baby-Elefanten-Abstand)!

    Tasche ist weiters, dass seit März 2020 wegen der „Corona Maßnahmen“ sehr viel Geld „hin und her“ fließt – nicht nur Billionen Euros in die südlichen Staaten der Europäischen Union!

    Weiters bitte ich Sie höflich, zu erklären, wie als Vorsorge zum gegebenen Zeitpunkt die österreichische Regierung „Verträge mit Impfstoffentwicklern“ abschließen sollte, obwohl nicht bekannt ist, welches Forschungsinstitut/Unternehmen welches Produkt mit welchen Impfstofftyp wann liefern kann!

    Abschließend erinnere ich an das „Modell Schweden“! Dort wurde weitgehend ohne Zwang und erzwungenen Einschränkungen und ohne Lock Down von Gesellschaft und Wirtschaft die Corona-Krise bewältigt. Wenn auch in Schweden die wirtschaftlichen Folgen auf Grund der internationalen Verflechtungen spürbar sind, die Schäden im Bereich der Gesellschaft auf psychologischer und psychiatrischer Ebene (Aggressionen, auch in Familien, Vereinsamungen, Vertrauensverlust in Gesellschaft und Staat,…) bleiben den Schweden auf Grund einer klugen und beherzten Politik erspart!

    Für die Grundrechte der Bürger gibt es keinen Ausnahmezustand!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Gerhard Ofner

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