Mehr Tempo. Mehr Konsequenz. Wir dürfen im Kampf gegen das Virus keine Zeit verlieren.

Der 3-Stufen-Plan der Bundesregierung wird von vielen Experten kritisiert: Zu lasch, zu unübersichtlich, vor allem aber, zu langsam. Das Delta-Virus breitet sich rascher aus als gedacht, und ist vor allem infektiöser als sämtliche Vorgängervarianten. Am häufigsten infizieren sich derzeit junge Menschen, auch Kinder.

In den Schulen sind zwar dreimal pro Woche Tests vorgesehen, allerdings scheint es in der Umsetzung nicht 100%ig zu klappen. Die Quote an geimpften 12- bis 16-Jährigen ist noch viel zu niedrig. Die Slowakei hat in der vergangenen Woche beschlossen, dass auch jüngere Kinder im Alter von 6 bis 12 geimpft werden können. Viele Experten fordern das auch für Österreich.

Vor allem aber fordern sie schärferes Eingreifen: Rasche Umsetzung der 1-G oder 2-G Maßnahmen, forcierte Tests, und endlich eine Kompatibilität der unterschiedlichen Daten für die Wissenschaft.

Derzeit sind wir noch nicht ausgelastet, was die Intensivstationen betrifft. In einigen Krankenhäusern wurden aber bereits „Corona-Maßnahmen“ eingeleitet.

Planbare und nicht lebensnotwendige Operationen werden verschoben oder, wie in Wien, an private Krankenhäuser ausgelagert. Das medizinische Personal steht vor großen Herausforderungen, die Motivation scheint gesunken zu sein. Laut einer Studie überlegt fast die Hälfte des medizinischen Personals, früher oder später, zu kündigen.

Dass die ohnehin bescheidene Corona-Prämie immer noch nicht ausbezahlt ist, trägt nicht gerade zur Motivation bei.

 Das wichtigste aber ist: Aufruf zum Impfen. Mit den Impfbussen verstärkt zu den Menschen gehen, vor Veranstaltungen zu impfen und persönliche Gespräche zu führen: In den Ordinationen, in den Schulen.

Es ist seltsam, zu lesen und zu hören, dass frisch und fröhlich Massenveranstaltungen abgehalten werden, als ob Corona nicht vorhanden sei. Man wird in wenigen Tagen sehen, welche neuen Cluster sich gebildet haben und wie stark die Infektionszahlen in die Höhe schießen. Dann aber kann es vielleicht schon 2 nach 12 sein.

Jetzt impfen. Jetzt konsequent die Immunisierten schützen, die Kinder schützen und appellieren. Wir brauchen noch zumindest eine Million vollimmunisierte Österreicher. Und zwar binnen weniger Wochen. Die Politik muss konsequent handeln. Politische Schachzüge sind nicht mehr ratsam.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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