Muss impfen cool werden? Wir müssen alle Wege nutzen, um die Impfbereitschaft zu steigern.

Impfen soll cool werden, meinte kürzlich ein deutscher Medienforscher und schlug vor, Idole, die besonders bei jungen Menschen mit migrantischem Hintergrund beliebt sind, wie Rocker oder Rapper als Testimonials zu gewinnen, und massiv über Social Media versuchen, Jugendliche überzeugend zu erreichen. Mit Witz und dem Ziel – Impfen muss eine coole Angelegenheit sein.

Was auf den ersten Blick fast absurd klingt, ist einer näheren Betrachtung würdig. Es ist so, dass ein Großteil der unter 25-Jährigen noch immer nicht erstgeimpft ist. Das heißt, Schüler, Studenten, teilweise auch Lehrlinge. Diese Zielgruppe aber ist besonders mobil, und hat mehr als andere Alterskohorten unter den Folgen von Corona gelitten: Einschränkung der Kontaktmöglichkeiten, Verbot der sozialen Treffs, selbst die nächsten Angehörigen durften nicht besucht werden. Und gerade junge Menschen haben einen Bewegungs- und Freiheitsdrang, wie ihn ältere kraft Kognition nicht mehr in dem Ausmaß haben. Logisch wäre, dass man gerade diese Jungen zu Fans des Impfen macht

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Wie, darüber mögen sich Psychologen, Soziologen und Politiker einigen. Mir geht es darum, dass wir nichts unversucht lassen, um eine Impfquote von zumindest 80% zu erreichen. International gesehen, und das mag auch für Österreich stimmen, dürfte es einen harten Kern von 15% Impfverweigerern quer durch alle Sozial- und Altersschichten geben, mit denen Diskussionen wenig Sinn machen.

 Für diese konstanten Impfverweigerer kann es nur eines geben: Den Zugang zum öffentlichen Leben so kompliziert wie nur möglich zu gestalten. Durch Testpflicht, wobei die Kosten für die Tests selbst zu tragen sind.

Nur so kann auch ein soziales Equilibrium ausbalanciert werden. Wenn dem nicht so ist, häuft sich der Unwillen derjenigen, die bereits zweimal oder zumindest einmal geimpft sind. Die Braven sehen sich dann als diejenigen, auf deren Rücken sich andere es gut gehen lassen. Die Gefahr dabei: Ein großer Anteil würde eine Drittimpfung nicht mehr über sich ergehen lassen.

Dass eine Drittimpfung notwendig, wenn nicht sogar unerlässlich ist, sagen bislang die meisten Experten. Zahlen aus Großbritannien und Israel scheinen das auch zu bestätigen. Auch in den USA gibt es bereits Kampagnen für die Auffrischungsimpfung. Derzeit scheint es so, dass die Lage in den Spitälern leicht beherrschbar ist. Dass aber exponentielle Entwicklungen rasch vor sich gehen, darf man nie vergessen. Betrachten wir den Oktober/November des letzten Jahres.

Ohne dass man es  öffentlich  so richtig wahrgenommen hat, sind die Kapazitäten der Spitäler ausgereizt. Und dazu darf es schon gar nicht kommen. Jetzt Kreativität und Kontrollhärte entwickeln, das ist das Gebot der nächsten Tage.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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